Chance vertan – Redebedarf beim BVB nach 0:2 gegen Tottenham

Chance vertan – Redebedarf beim BVB nach 0:2 gegen Tottenham

London (dpa) –   Nach der vergebenen Chance in London wollte BVB-Trainer Niko Kovac nichts beschönigen. «Mich ärgert in erster Linie nicht nur das Ergebnis, sondern die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind», sagte Kovac nach der verdienten 0:2-Niederlage in der Champions League beim kriselnden Tottenham Hotspur. Seine Mannschaft habe Körperlichkeit, Intensität und Zweikampfhärte vermissen lassen. «Wir sind selbst schuld. Denn ich glaube, wir haben heute nicht gegen eine super starke Tottenham-Mannschaft gespielt.»

Kehl glaubt nicht mehr an direkte Qualifikation

Borussia Dortmund hätte sich mit einem Sieg eine ideale Ausgangslage für das Heimspiel gegen Inter Mailand schaffen können, um dort das Achtelfinale ohne Umweg über die Playoffs zu erreichen. «Das wird jetzt womöglich nicht mehr für die besten Acht reichen», räumte Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem Dämpfer in London in der Mixed Zone ein.

Die Westfalen hatten sich für den Trip auf die Insel viel vorgenommen, wollten den Schwung aus dem Last-Minute-Sieg gegen St. Pauli mit in die Königsklasse nehmen. Zu sehen war davon zumindest in den ersten 45 Minuten überhaupt nichts. Im Gegenteil, im verregneten Norden der britischen Hauptstadt bekam der BVB eine kalte Dusche. In der Anfangsphase spielten nur die Spurs, die in diesem Jahr noch kein Spiel gewonnen und zuletzt dreimal in Serie verloren hatten.

Kovac: «Wussten um die Situation, die hier herrscht»

«Wenn du so passiv ins Spiel gehst, ohne Aggressivität, ohne Zweikampfverhalten, dann wird es schwierig, denn wir wussten um die Situation, die hier herrscht», sagte Kovac. «Wir konnten auch erwarten, dass uns der Gegner erst einmal physisch und athletisch Paroli bieten möchte. Dem haben wir in der ersten Halbzeit nicht entgegenhalten können.»

Bereits nach einer Viertelstunde traf Cristian Romero (14. Minute) zur verdienten Führung für die Gastgeber. Kurz darauf sah Daniel Svensson beim BVB Rot (26.) – sowohl für Kovac als auch für Kehl eine harte Entscheidung, die aber keiner der beiden als Entschuldigung gelten lassen wollte. «Wir haben einfach nicht gut gespielt und deswegen auch verdient verloren», stellte Kehl klar. «Wir sind einfach schlecht ins Spiel gekommen und da müssen wir schon drüber reden.»

0:11 Torschüsse in der ersten Halbzeit

Offensiv hatte Dortmund in der ersten Hälfte nichts anzubieten. Die Formkrise von Serhou Guirassy dauert an. So spielten praktisch nur die Spurs. 36 Prozent Ballbesitz und 0:11 Torschüsse aus Dortmunder Sicht sprechen für sich. Folglich erhöhte Dominic Solanke (37.) – mit einem Stolpertor – auf 2:0 für Tottenham.

Defensiv offenbarte der BVB, der in der Bundesliga die zweitbeste Abwehr (17 Gegentore in 18 Spielen) stellt, eklatante Schwächen. «Ja, es ist eine Diskrepanz, gerade was die Gegentreffer anbetrifft», räumte Kovac ein. «In der Bundesliga verteidigen wir das besser. Aber ich glaube auch, dass in der Champions League ein sehr viel höheres Niveau zu sehen ist. Das muss man auch sagen.»

Kehl: «Müssen wirklich aufpassen»

Erst nach dem Seitenwechsel rappelten sich die Gäste aus Dortmund auf. «In der zweiten Halbzeit mit einem Mann weniger haben wir das Spiel deutlich besser, offener gestaltet und vielleicht auch Möglichkeiten gehabt, sogar noch mal einen Anschluss zu erzielen», befand Kehl. «Aber dass es überhaupt so weit kommt, darf uns heute nicht passieren.» Jeder Spieler müsse sich hinterfragen.

Vor dem Heimspiel gegen Inter Mailand am nächsten Mittwoch geht es für den BVB in der Bundesliga weiter – am Samstag beim 1. FC Union Berlin. «Ich erwarte, und ich glaube, wir alle erwarten von uns selber, dass wir in Berlin jetzt eine andere Leistung zeigen», sagte Kehl. Der Sportdirektor warnte davor, den Fokus zu verlieren. «Da müssen wir wirklich aufpassen. Wenn wir die Lehren daraus ziehen müssen heute, dann muss die Mannschaft verstehen, dass das nicht der Anspruch ist, den wir alle haben.»

Aus dem Nebel: Ter Stegens WM-Angriff in der Provinz

Aus dem Nebel: Ter Stegens WM-Angriff in der Provinz

Barcelona (dpa) – Ein Liebesfoto mit der Freundin beim Kurztrip nach London. Oder eine rasante Probefahrt mit einem Sportwagen, die auch WM-Held Mario Götze per Social-Media-Like gefiel. Für solch angenehme Ablenkungen hat Marc-André ter Stegen jetzt deutlich weniger Zeit. Im Nebel fuhr der Schlussmann auf dem sandigen Parkplatz am Trainingsgelände des FC Girona vor, schüttelte viele Hände der Club-Mitarbeiter zur freundlichen Begrüßung. 

Mit seinem Januar-Wechsel von der Top-Adresse FC Barcelona zum Club aus der unteren spanischen Mittelklasse hat Deutschlands lange verhinderte Nummer eins eine Kernforderung von Bundestrainer Julian Nagelsmann erfüllt. Jetzt will ter Stegen nach schwierigen Monaten mit Verletzung und Degradierung seine WM-Chance als Leihspieler in Girona unbedingt nutzen. 

«Jetzt geht meine Reise in Katalonien weiter, und ich freue mich sehr auf das, was vor mir liegt», schrieb der 33-Jährige. Kein Wort verlor ter Stegen in seiner fünf Absätze langen und enorm emotionalen Abschiedsbotschaft an die Kollegen und Fans bei Barça allerdings zur deutschen Nationalmannschaft und zur WM in den USA, Kanada und Mexiko. 

WM als großer Antrieb

Und doch ist klar. Der Schritt in die (Fußball-)Provinz nur rund 100 Kilometer nördlich seiner bisherigen Heimat hat einen einzigen Grund. Ter Stegen will spielen, ter Stegen muss spielen. Denn das Ziel ist das DFB-Trikot mit der Nummer eins. Am 14. Juni in Houston beim WM-Auftakt gegen Curaçao und in einem perfekten Plan auch am 19. Juli beim Finale in East Rutherford.

Die Bedingungen für eine Rückkehr ins DFB-Tor hat Bundestrainer Nagelsmann mehrfach beschrieben. Absolute Fitness und kontinuierliche Spielpraxis. Sonst wird es nichts mit dem ersten Auftritt ter Stegens als Nummer eins bei einem richtig großen Turnier nach vielen, vielen Enttäuschungen im Schatten des übermächtigen Manuel Neuer – dessen DFB-Comeback viele Fans und Experten auch jetzt schon wieder lautstark fordern. 

Girona, international allenfalls Fußball-Insidern ein Begriff, soll nun das WM-Sprungbrett für ter Stegen sein. «Ob das jetzt ein absolut europäischer Top-Club ist oder nicht, ist nicht das alles Entscheidende», hatte Nagelsmann vorab gesagt. «Einigermaßen gut spielen» müsse ter Stegen freilich schon. 

Genervt wirkte der Bundestrainer zuletzt ob der Torwart-Thematik, zu der er ohne wirklich neue Entwicklungen immer wieder befragt wurde. Am Status von ter Stegen als seiner Nummer eins hatte er trotz aller Wertschätzung für den tadellos spielenden Ersatzmann Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim bei allen sportlich logischen Bedingungen immer festgehalten.

Viele Turnierenttäuschungen

In der Treue schwang auch immer ein bisschen Kompensation mit. Fast schon tragisch ist ter Stegens Turnierabsenz angesichts seiner Klasse. Nur beim Gewinn des Confederations Cup 2017 war er die deutsche Nummer eins, weil der damalige Bundestrainer Joachim Löw seiner A-Besetzung Neuer einen freien Sommer gönnte.

Ein Jahr später stand Neuer bei der WM im Tor. Auch Nagelsmann zog den Münchner für die Heim-EM 2024 vor, machte ter Stegen erst danach zu seinem Stammtorwart. Und ausgerechnet dann folgte dessen Verletzungsdrama, erst am Knie und später am Rücken.

Ganze vier seiner insgesamt 44 Länderspiele bestritt ter Stegen seit dem Turnier im eigenen Land. Die Degradierung des Kapitäns zum Ersatzmann hinter dem neun Jahre jüngeren Joan Garcia bei Barça ausgerechnet durch Nagelsmann DFB-Vorgänger Hansi Flick war der nächste Tiefschlag. Öffentlich ausgetragene Streitereien zwischen Club und Spieler inklusive – und das nach vielen erfolgreichen Jahren und vielen Titeln.

Flick wünscht alles Gute

Flick ist nicht als Fußball-Unmensch bekannt und wünschte seinem Ex-Schlussmann nun alles Gute. «Vielleicht sehen wir ihn im deutschen Nationalteam bei der WM. Die Daumen sind gedrückt dafür. Ich denke, er hat gute Chancen», sagte der frühere Bundestrainer.

Der erste klare Fingerzeig, ob ter Stegens Taktik aufgeht, folgt im März, wenn Nagelsmann seinen Kader für die WM-Testspiele in der Schweiz (27. März) und gegen Ghana (30. März) benennt. Die logische Torwart-Reihenfolge wäre dann wieder ter Stegen, Baumann und Alexander Nübel. Doch das Neuer-Thema wird wie ein Störfeuer brennen – garantiert. Zu gut ist der Bayern-Torwart drauf.

Ter Stegen ist smart. Er kennt die Mechanismen des Geschäfts. Beim ersten Rundgang in Girona parlierte er im fließenden Spanisch mit den Club-Mitarbeitern, inspizierte aber auch mit genauem Blick den Kraftraum. Dafür sei er hier, «zum Trainieren», sagte er. Und meinte sicherlich eher: zum Spielen. 

Debüt gegen Getafe

Am Montag (21.00 Uhr) beim Duell gegen den FC Getafe geht es in La Liga los. Sein neues Team hat zuletzt dreimal in Serie gewonnen, ist durch die neun Punkte in der Tabelle aus dem Keller auf Platz zehn gesprungen. Paulo Gazzaniga, der für ter Stegen nun wird weichen müssen, kassierte dabei nur ein Tor. Mit insgesamt 34 Gegentreffern nach 20 Spielen ist Girona aber die Schießbude der spanischen Topklasse.

Den geforderten Nummer-eins-Status hat ter Stegen sicher. Girona-Trainer Míchel hatte schon vor der offiziellen Verkündung des Transfers geschwärmt. «Er ist ein Top-Spieler. Welcher Club würde nicht gerne einen Torwart wie ter Stegen haben?» Sagt Nagelsmann im Sommer das gleiche, hat sich die Provinz-Leihe für den Schlussmann gelohnt.

Trump will Grönland: Boykottieren wir jetzt die Fußball-WM?

Trump will Grönland: Boykottieren wir jetzt die Fußball-WM?

London (dpa) – Inmitten des Konflikts zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Ansprüchen auf Grönland holt den Fußball eine bekannte Debatte ein. In Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden werden insbesondere in der Politik Stimmen laut, die Fußball-WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko zu boykottieren. Der US-Präsident hatte das Turnier im Sommer (11. Juni bis 19. Juli) schon vor Wochen für seine Zwecke genutzt.

Wer fordert einen WM-Boykott? Und warum?

In Deutschland hatte sich unter anderem CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt ausführlich geäußert. Für den Fall einer Annexion Grönlands durch die USA könne er sich nicht vorstellen, im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußballfest zu feiern, sagte er im Deutschlandfunk. Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die Europäer überprüfen müssten, «ob man an solchen Spielen teilnehmen kann». Er gehe aber fest davon aus, dass es dazu nicht komme, sondern dass Trump von seinem Plan absehe.

In Großbritannien äußerte sich unter anderem das konservative Parlamentsmitglied Simon Hoare. Die Regierung müsse «Feuer mit Feuer» bekämpfen und Trump entschieden entgegentreten. Den geplanten Besuch von König Charles III. in den USA stellte er aus denselben Gründen infrage. Trump müsse da getroffen werden, wo es ihm wehtue – bei seinem Ego. Der US-Präsident sei «dünnhäutig» und möge es nicht, in Verlegenheit gebracht zu werden.

In den Niederlanden wurde eine Boykott-Petition an den nationalen Verband KNVB und die Regierung adressiert, die in nur wenigen Tagen mehr als 100.000 Mal unterzeichnet wurde. In dem Aufruf heißt es, es sei «unvereinbar, dass unsere Fußballer an einem Turnier eines Präsidenten teilnehmen, der damit droht, seinen eigenen Verbündeten Grönland zu überfallen und zu besetzen, wodurch er die Nato zerstört und den Weltfrieden gefährdet».

Wie wichtig ist die WM für Trump? Wie wichtig ist Trump für die WM?

Für Trump ist die Fußball-WM eine riesige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit – auch wenn er mit «Soccer» bislang eigentlich nicht viel zu tun hatte, die Grenze zu Co-Gastgeber Mexiko gerne komplett schließen, und Kanada am liebsten in die USA einverleiben würde. Die WM-Ausrichtung ist ein riesiges Prestigeprojekt.

Zwischen dem US-Präsidenten und FIFA-Chef Gianni Infantino hatte sich schon weit vor dem Grönland-Konflikt eine besondere, teils sehr kritisch bewertete Dynamik ergeben. Während der WM-Auslosung im Dezember hatte Infantino anbiedernd den sogenannten FIFA-Friedenspreis an den US-Präsidenten übergeben, der gerne offiziell den Friedensnobelpreis gewonnen hätte. Kommentaren in den sozialen und klassischen Medien zufolge empfanden viele Menschen das Schauspiel auf der FIFA-Bühne befremdlich.

Die FIFA hatte zur Kritik an der Nähe zu Trump mitgeteilt, dass Infantino als Präsident «gute Beziehungen» zu den Staatschefs der Gastgeberländer haben müsse, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu gewährleisten. Ähnlich sieht es offenkundig auch das Internationale Olympische Komitee, nicht zuletzt mit Blick auf die Sommerspiele in Los Angeles 2028. «Er hat ja in ein paar Monaten seine Weltmeisterschaft. Da wäre ich etwas besorgt, wenn es keine gute Beziehung geben würde», sagte IOC-Chefin Kirsty Coventry über Infantinos Verbindung zu Trump. Der FIFA-Präsident ist in seiner Funktion auch IOC-Mitglied.

Tatsächlich scheint ein wohlgesinnter Trump eine essenzielle Bedeutung für die Ausrichtung des Turniers mit 48 Mannschaften zu haben. Mit der Drohung, unliebsamen, weil demokratisch geführten Städten die Spiele wieder zu entziehen, hatte der Republikaner für Aufregung gesorgt. Auch bei der WM 2018 in Russland (Wladimir Putin) und 2022 in Katar (Emir Tamim bin Hamad Al Thani) hatte sich die FIFA in ähnliche, auf Personen bezogene Abhängigkeitsverhältnisse gestürzt.

Wie wahrscheinlich ist ein WM-Boykott? 

Stand heute wird die WM ebenso pünktlich mit dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko angepfiffen wie das erste deutsche Spiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao. Der Deutsche Fußball-Bund ist bei Boykott-Debatten ein gebranntes Kind. Auch vor der WM 2022 war hitzig debattiert worden – damals wegen der Menschenrechtslage im Gastgeberland. Die deutsche Nationalmannschaft schleppte die Diskussion, wer sich wann wie verhalten sollte, ins Turnier und schied in der Vorrunde aus.

Zwar hatte es im Weltsport schon Boykotte gegeben – etwa bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles. Die Sportverbände betonen aber immer wieder, dass Politik und Sport getrennt voneinander betrachtet werden sollen. Boykotte werden nicht als Lösung geopolitischer Probleme angesehen. Der niederländische Verband KNVB teilte mit: «Wir haben uns für die Endrunde qualifiziert und werden daran teilnehmen.»

Treffen würde ein Boykott europäischer Mannschaften zudem auch die Fans. Die Spielpaarungen stehen seit Wochen fest, Tausende Menschen haben Tickets gekauft, teils teure und lange Reisen gebucht. «Was Boykottdrohungen im Sport angeht, bin ich generell skeptisch. Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig», sagte der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner (SPD) der «Süddeutschen Zeitung».

«Regelrecht vernichtet»: Haaland ratlos nach Bodö-Blamage

«Regelrecht vernichtet»: Haaland ratlos nach Bodö-Blamage

Bodö (dpa) – Kjetil Knutsen hatte nach der Sensation gegen das Star-Ensemble von Manchester City ein dringendes Anliegen. Der Trainer des norwegischen Fußball-Zwergs FK Bodö/Glimt erklärte den Helden des 3:1 gegen den englischen Super-Club noch live im Fernsehen für unverkäuflich. «Wir haben keinerlei Pläne, Kasper Högh an irgendjemanden zu verkaufen», sagte Knutsen.

Dieser Högh, ein 25 Jahre alter Däne, machte in der Champions League gegen City das Spiel seines Lebens. Zwei Tore in der ersten Halbzeit binnen zwei Minuten, ein weiteres wegen Abseits aberkanntes nach der Pause. Den dritten Treffer der Norweger erzielte dann der Ex-Frankfurter Jens Petter Hauge per Traumtor. Als Belohnung gab es für Högh das Trikot von Superstar Erling Haaland, dessen Rückkehr in die Heimat am Ende zur peinlichen Dienstreise wurde.

Högh besser als Idol Haaland

Für Högh war es nicht irgendein Trikot. «Ich weiß, dass Kasper zu Erling aufschaut. Er ist sein großes Idol», sagte Bodös Kapitän Patrick Berg. Knutsen erklärte zudem, dass man sich mit Högh oft Videos von Haalands Bewegungen und dessen Timing angeschaut habe, damit er davon lernen könne.

Den Lerneffekt gab es ausgerechnet gegen den großen Haaland. «Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, dass ich keine Tore geschossen habe. Es ist peinlich», sagte der Superstar. «Das ist nicht gut genug. Wir sind Manchester City. So sollte es nicht sein.» Haaland und Co. gaben einen Tag später bekannt, dass man den etwa 400 mitgereisten Fans die Ticketkosten erstatten werde. Eine Karte hatte umgerechnet etwas weniger als 29 Euro gekostet. Insgesamt kostet die City-Mannschaft die Erstattung circa 11.500 Euro.

City zeigte eine schwache und ideenlose Leistung, allein Haaland hatte in der ersten Halbzeit nicht einmal zehn Ballkontakte. Nach dem Treffer zum 1:3 durch Ryan Cherki verlor das Team von Starcoach Pep Guardiola auch noch den Mittelfeldstrategen Rodri, der binnen etwas mehr als einer Minute zweimal die Gelbe Karte sah.

«Regelrecht vernichtet»

Die Reaktionen waren entsprechen. «Das wird Schockwellen durch Europa senden», sagte der Kommentator des norwegischen Senders TV2. Die Manchester Evening News schrieben vom «Spiel aus der gefrorenen Hölle Norwegen.» Ex-Stürmer Chris Sutton war ebenfalls deutlich: «Bodø/Glimt hat Manchester City nicht nur geschlagen – sie haben sie regelrecht vernichtet.»

Guardiola lobte Bodö als «absolute Spitzenmannschaft», akzeptabel dürfte es die Niederlage keinesfalls machen. Es war nicht die erste internationale Überraschung des Clubs, in der Conference League besiegte man im Oktober 2021 die AS Rom mit 6:1. Doch der Erfolg gegen City war bedeutender. «Ich würde sagen, das ist das Größte, was wir je erreicht haben. Wir haben eine der besten Fußballmannschaften der Welt geschlagen und das haben wir uns verdient», sagte Berg.

Warum für die Bayern ein Platz in den Top 4 so wertvoll ist

Warum für die Bayern ein Platz in den Top 4 so wertvoll ist

München (dpa) – Der FC Bayern München kämpft im ersten Champions-League-Spiel des Jahres gegen Belgiens Fußball-Meister Royale Union Saint-Gilloise vor allem um den direkten Einzug in das Achtelfinale. Für den Bundesliga-Dominator geht es am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) mit Blick auf die K.o.-Phase aber um mehr als «nur» einen Platz unter den Top 8 der Tabelle. Trainer Vincent Kompany und seinem Starensemble winken weitere Vorteile. 

Die ersten acht Teams der Ligaphase qualifizieren sich direkt für das Achtelfinale, das im März ausgetragen wird. Diese acht Teams umgehen die Playoff-Runde der Mannschaften auf den Plätzen neun bis 24. Als direkter Achtelfinal-Teilnehmer würden sich die Bayern im Februar zwei Extra-Spiele ersparen. Zur Erinnerung: In der vergangenen Spielzeit setzten sich die Bayern in dieser Zusatzrunde nur knapp gegen Celtic Glasgow durch.

Heimvorteil in den Rückspielen

Wertvoll wäre ein Platz in den Top 4 der Ligaphase, noch besser wäre ein Platz unter den ersten Zwei. Denn in dieser Saison gibt es eine Neuerung im Modus. Die Vereine auf den Plätzen eins bis vier können nicht nur im Achtelfinale, sondern auch im Viertelfinale das entscheidende Rückspiel im eigenen Stadion bestreiten. Der Tabellenerste und -zweite erhalten diesen Vorteil nach der Neuerung auch im Halbfinale. 

«Ich würde das gerne erreichen», sagte Kompany. Es sei aber auch keine Garantie dafür, ganz weit zu kommen. «Ab der K.o.-Phase ist es ein anderes Turnier», befand der Bayern-Coach. Der Heimvorteil im Rückspiel sei «schon sehr wichtig», sagte derweil Nationalspieler Aleksandar Pavlovic vor der Partie gegen Saint-Gilloise. Seine Begründung lautet: «Mit den Fans im Rücken spielt man noch einen Tick besser.» Vor dem 7. Vorrunden-Spieltag lagen die Bayern mit 15 Punkten hinter Spitzenreiter FC Arsenal (18) auf dem zweiten Tabellenplatz.

Kehl: Rote Karte für Svensson war «nicht richtig»

Kehl: Rote Karte für Svensson war «nicht richtig»

London (dpa) – Nach Borussia Dortmunds Champions-League-Niederlage bei Tottenham Hotspur hat sich Sportdirektor Sebastian Kehl kritisch über den Platzverweis für Daniel Svensson in der ersten Halbzeit geäußert. «Ich finde, dass die Rote Karte sehr hart ist», sagte er nach dem Spiel in London, das der BVB mit 0:2 verlor.

«Für mich fehlt jegliche Intention»

Svensson hatte zunächst die Gelbe Karte gesehen, nach VAR-Einsatz korrigierte der Schiedsrichter die Entscheidung jedoch und zeigte dem Schweden in der 25. Minute Rot. «Am Ende trifft er den Ball zunächst und ja, dann ist der Kontakt an der Wade da», räumte Kehl ein. «Wenn man sich das auf einem Standbild anschaut, dann kann man sagen, das ist eine Rote Karte. Aber für mich fehlt in dieser Aktion jegliche Intention, jegliche Intensität. Daher war die Rote Karte für mich nicht richtig.»

Mit der Leistung seiner Mannschaft war Kehl ebenfalls unzufrieden. «Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen», sagte er. «Wir werden das sicherlich auch mit der Mannschaft sehr kritisch besprechen. Die erste Halbzeit war schlecht – wenig Zweikämpfe geführt, wenig direkte Duelle einfach gewonnen, wenig Intensität. Und die Chancen, die wir heute hatten, haben wir damit in der ersten Halbzeit fahrlässig verspielt.»

«Haben uns deutlich mehr erhofft»

Cristian Romero (14. Minute) und Dominic Solanke (37.) trafen in der ersten Hälfte für die Spurs, die seit Wochen in der Krise stecken und gegen Dortmund ihren ersten Sieg in diesem Jahr feierten. Die Pleite wäre vermeidbar gewesen, sagte Kehl. «Denn wir haben jetzt nicht gegen eine Mannschaft aus Tottenham gespielt, die in überragender Form ist und die gerade vor Selbstvertrauen strotzt. Wir haben uns hier deutlich mehr erhofft und erwartet.»

Vor dem letzten Spiel der Ligaphase in der kommenden Woche gegen Inter Mailand deutet sehr vieles darauf hin, dass der BVB für den Einzug in die Runde der besten 16 Teams den Umweg über die Play-offs nehmen muss. «Das wird jetzt womöglich nicht mehr für die besten Acht reichen», sah auch Kehl ein.

Leihe bis Sommer: Ter Stegen wechselt von Barça zu Girona

Leihe bis Sommer: Ter Stegen wechselt von Barça zu Girona

Barcelona (dpa) – Fußball-Nationaltorwart Marc-André ter Stegen verlässt den FC Barcelona und spielt auf Leihbasis bis zum Saisonende für den FC Girona. Das gaben der abstiegsgefährdete Club nahe der katalanischen Metropole und Barça am Dienstagabend bekannt. Mit dem Wechsel hofft der Ex-Gladbacher auf mehr Spielpraxis, um bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada als Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen.

Ter Stegen: «Ich freue mich sehr auf das, was vor mir liegt»

Ter Stegen meldete sich bei Instagram in einem emotionalen Post zu Wort: «Ich bin zutiefst dankbar und stolz. Ich liebe diesen Verein, diese Stadt und diese Region. Sie haben ein Gefühl in mir geweckt, das niemals verblassen wird. Eure Unterstützung in all den Jahren war unglaublich, ich danke euch von ganzem Herzen», schrieb der 33-Jährige.

Dass er die Kapitänsbinde trug, werde er für immer in seinem Herzen tragen. Zum Abschluss richtete er seinen Blick nach Girona. «Jetzt geht meine Reise in Katalonien weiter, und ich freue mich sehr auf das, was vor mir liegt.»

Wenige Stunden zuvor hatte Barcelonas deutscher Trainer Hansi Flick über den anstehenden Wechsel gesprochen. «Heute Morgen hat Marc uns gesagt, dass er nach Girona gehen wird», sagte er auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel Barças bei Slavia Prag – und fand dann anerkennender Worte. «Marc ist ein fantastischer Torwart. Wir haben uns für die Zukunft anders entschieden und ich denke, es war die richtige Entscheidung. Aber ich wünsche ihm alles Gute.»

Dazu gehören auch Auftritte im DFB-Team: «Vielleicht sehen wir ihn im deutschen Nationalteam bei der WM. Die Daumen sind gedrückt dafür. Ich denke, er hat gute Chancen», sagte Flick.

Girona-Trainer Míchel hatte schon vor der offiziellen Verkündung des Transfers von ter Stegen geschwärmt. «Er ist ein Top-Spieler. Welcher Club würde nicht gerne einen Torwart wie ter Stegen haben?», sagte der Coach über den 33-Jährigen. Girona postete nach der Verkündung des Transfers bei Instagram ein Video mit Paraden des Torwarts – der Titel: «Das ist keine Zauberei, das ist ter Stegen.»

Darum hatte ter Stegen beim FC Barcelona zuletzt keine Chance

Ter Stegen hatte zuletzt zwar nach überstandener Rückenoperation erstmals nach rund sieben Monaten im Pokal bei Drittligist CD Guadalajara wieder im Tor des FC Barcelona gestanden. Trainer Hansi Flick stellte danach aber sofort klar, dass der im Sommer für 25 Millionen Euro verpflichtete Joan Garcia die Nummer eins bei den Katalanen bleibt.

Dem finanziell angeschlagenen Club wäre bereits im Sommer ein Abgang von ter Stegen recht gewesen, um das hohe Gehalt seines langjährigen Torhüters einzusparen. Zumal die Katalanen in dem polnischen Routinier Wojciech Szczesny einen weiteren erfahrenen Schlussmann in ihren Reihen haben. Ter Stegen besitzt noch einen gut dotierten Vertrag bis 2028.

Zwischenzeitlich befanden sich Spieler und Verein im Streit, weil ter Stegen die Einverständniserklärung verweigerte, dass der Club den ärztlichen Bericht nach seiner Operation an die Liga weiterleiten durfte. Der Club wollte sich so finanziellen Spielraum verschaffen. Am Ende legten beide Seiten den Streit bei.

Bundestrainer Julian Nagelsmann forderte Stammplatz

Ein Wechsel war für ter Stegen quasi unausweichlich, um bei der WM die Nummer eins zu sein. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte nämlich zuletzt betont: «Marc muss sich entweder in Barcelona durchsetzen oder einen Club finden, bei dem er spielt.»

Zumal ter Stegens Vertreter in der DFB-Elf, Oliver Baumann, in den vergangenen Monaten bei der erfolgreichen WM-Qualifikation überzeugen konnte. Auch ein mögliches Comeback von Manuel Neuer wurde zumindest medial immer wieder debattiert. 

In Barcelona schien ter Stegen lange Zeit die Idealbesetzung zu sein. Nach seiner Ankunft vor über elf Jahren wurde er aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten selbst von Stars wie Lionel Messi hochgelobt. Und der Erfolg stellte sich auch gleich ein: 2015 hielt ter Stegen bereits den Champions-League-Pokal in den Händen.

«Nicht bissig genug»: Bayer Leverkusen patzt auch in Piräus

«Nicht bissig genug»: Bayer Leverkusen patzt auch in Piräus

Piräus (dpa) – Die Enttäuschung war den Spielern von Bayer Leverkusen nach der dritten Niederlage in diesem Jahr deutlich anzusehen. Auch in der Champions League setzte der Fußball-Bundesligist seinen verkorksten Jahresstart fort: Beim griechischen Meister Olympiakos Piräus unterlag die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand mit 0:2 (0:2). Ohne Punktgewinn ist Leverkusen damit noch nicht sicher für die K.o.-Runde qualifiziert. 

«Wir haben die Chancen nicht rein gemacht. Wir haben manchmal nicht mutig genug gespielt oder die freien Spieler gefunden. Dann mussten wir lange Bälle spielen und haben die Duelle um die zweiten Bälle nicht gewonnen. Wir waren nicht bissig genug», sagte Ibrahim Maza nach Abpfiff bei DAZN sichtlich enttäuscht.

Vor rund 33.000 Fans im Georgios Karaiskakis Stadion trafen Costinha (2. Minute) und Mehdi Taremi (45.+1) für die Hausherren. Bei nur noch einem verbleibenden Spieltag in der Ligaphase verharrt die Werkself nach der Niederlage bei neun Punkten und steht im letzten Spiel gegen Villareal am Mittwoch, 28. Januar, unter Zugzwang. Im Vorjahr waren für einen Platz unter den ersten 24 und die Teilnahme an den Playoffs mindestens elf Punkte nötig. 

Fehlstart für die Werkself 

Neben dem Startelfdebüt von Janis Blaswich nach der Verletzung von Stammkeeper Mark Flekken reagierte Hjulmand auf den Ausfall von Nathan Tella, indem Lucas Vázquez auf der rechten Seite der Viererkette im Mittelfeld begann. «Die Champions League ist ein anderer Wettbewerb und eine gute Möglichkeit, ein gutes Spiel zu machen. Wenn wir dieses Spiel gewinnen, haben wir ein Ziel für diese Saison erreicht», sagte der Trainer vor der Partie. 

Doch Bayer erwischte einen denkbar schlechten Start. Bereits nach weniger als zwei Minuten brachte Costinha Piräus mit einem wuchtigen Kopfball nach einer Ecke unbedrängt in Führung. Die Werkself versuchte unter ohrenbetäubender Atmosphäre schnell zu antworten, doch Loic Badé scheiterte im Fallen mit einem schwachen Schuss an Konstantinos Tzolakis (11.), Vázquez’ Abschluss aus spitzem Winkel parierte der Keeper mit der Schulter (16.).

Chancenplus und eiskaltes Kontertor 

Während der Gegner weiter extrem hoch presste, kombinierte sich Leverkusen immer wieder durch die wenigen Lücken nach vorne. Trotz Chancenplus scheiterte die Mannschaft immer wieder auch an Torhüter Tzolakis. Eine Riesenchance setze Vázquez (43.) völlig frei über das Tor. Und dann bestraften die Hausherren die vergebenen Chancen kurz vor der Pause mit einem eiskalten Konter: Taremi entwischte der Bayer-Defensive und traf zum 2:0. 

Nach dem Seitenwechsel sahen die 1.400 mitgereisten Bayer-Fans einen engagierten Neustart ihrer Mannschaft. Doch einmal mehr war es Tzolakis, der einen Schuss von Maza auf spitzem Winkel (47.) per Fußabwehr entschärfte. Die Griechen kämpften sich jedoch zurück, beruhigten das Spiel durch mehr Ballbesitz und profitierten weiterhin von der Unterstützung ihrer Fans, die sich förmlich in einen Rausch sangen.

Derweil scheiterten Leverkusens Offensivbemühungen immer wieder an einer kompakten Defensive. Der eingewechselte Patrik Schick hatte nach einem Traumpass von Aleix Garcia auf Arthur die beste Chance nach der Pause, doch Tzolakis machte sich groß und entschärfte auch diesen Versuch (81.). Piräus hielt die Abwehr bis zum Schluss stabil und brachte den Sieg ohne größere eigene Offensivaktionen in der zweiten Halbzeit über die Zeit.