Darmstadt (dpa) – Der FC Schalke 04 hat auch ohne seinen gesperrten Sturmstar Edin Dzeko nach nur wenigen Stunden die Tabellenführung in der 2. Fußball-Bundesliga wieder zurückerobert. Die Königsblauen spielten im Topspiel des 27. Spieltags beim SV Darmstadt 98 1:1 (1:1).
Nach den Siegen der SV Elversberg und des SC Paderborn zuvor führt S04 die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung an, allerdings sind die Teams im Aufstiegsrennen noch enger zusammengerückt. Die Darmstädter sind hinter der SVE und dem SCP mit zwei Zählern Rückstand auf Schalke Vierter und damit erstmals seit dem 14. Spieltag nicht auf einem der ersten drei Plätze.
Dzeko-Vertreter trifft
Dzeko-Vertreter Moussa Sylla bracht S04 in der 44. Minute in Führung. Noch vor der Pause glich Darmstadts Isac Lidberg mit seinem 14. Saisontor zum 1:1 aus (45.+5).
Schalke fehlte ausgerechnet in dem Spitzenspiel Torjäger Dzeko, der wegen einer umstrittenen Roten Karte beim 2:2 gegen Hannover gesperrt aussetzen musste. Nach einem erfolgreichen Einspruch von S04 war die Sperre vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds noch von zwei Partien auf ein Spiel reduziert worden.
Ping-Pong-Eigentor zählt nicht – Verletzungsschock für Darmstadt
Trotz des Dzeko-Ausfalls waren die Gäste in einer temporeichen Anfangsphase das zielstrebigere Team. Erstmals jubeln aber durften die Darmstädter nach einem Ping-Pong-Eigentor durch Moussa Ndiaye (18.). Da dieser aber vor dem Treffer von Darmstadts Fabian Nürnberger gefoult wurde, nahm der VAR das Tor wieder zurück.
Wenige Minuten später verletzte sich SVD-Profi Luca Marseiler in einem Laufduell ohne Einwirkung eines Gegenspielers wohl schwer am Knie (23.). Die Schalker Nikola Katic und Timo Becker eilten sofort zu dem 29-Jährigen, der anschließend minutenlang behandelt und dann unter Applaus der Zuschauer mit einer Trage vom Spielfeld gebracht werden musste.
Lidberg kontert Syllas Führungstor
Danach wurde die Partie deutlich zerfahrener. Immer wieder gab es Unterbrechungen. Kurz vor der Pause brachte Sylla die Schalker nach einer Ecke durch einen Abpraller nach einem Pfostentreffer von Becker in Führung. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte sorgte dann Lidberg mit einem Schuss aus der Drehung für den Ausgleich.
Nach dem Seitenwechsel sahen die 17.810 Zuschauer ein ausgeglichenes Spitzenspiel. Beide Teams hatten Chancen auf den Siegtreffer, beiden Offensivreihen fehlte aber die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.
Dortmund (dpa) – Während die zuvor noch ausgepfiffenen BVB-Profis nach einem Sturmlauf im zweiten Durchgang von der Südtribüne am Ende doch noch gefeiert wurden, musste HSV-Coach Merlin Polzin seine Profis trösten. Im Kreis schwor Polzin sein Team nach dem 2:3 (2:0) auf die restlichen Spiele im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga ein. Jubeln durfte trotz Hamburger Pausenführung nur das Team von Dortmunds Coach Niko Kovac – dank zwei Elfmetertoren aus drei Versuchen vom Punkt.
«Am Ende war es ein Spiel mit zu vielen kleinen Fehlern von uns», sagte HSV-Mittelfeldspieler Miro Muheim bei Sky. «Wenn du drei Elfmeter gegen dich kriegst, dann kannst du so ein Spiel halt nicht gewinnen.» Den Handelfmeter zum entscheidenden 2:3 hatte er selbst verursacht: «Ich darf meine Hände da nicht so hoch ziehen», merkte er selbstkritisch an. «Ein dummer Fehler von mir, wird nicht mehr passieren.»
Kobel lobt: «Wirklich überragend»
BVB-Torhüter Gregor Kobel lobte die Dortmunder Aufholjagd. «Es war eine top zweite Hälfte von uns. Es war wirklich überragend», sagte der 28-Jährige. «In Hälfte eins war nichts los. Da hat sehr viel gefehlt. In der zweiten Halbzeit haben wir so gut Fußball gespielt. Es war cool. Es hat Spaß gemacht.»
Tore der eingewechselten Ramy Bensebaini (73. Minute, Foulelfmeter/84., Handelfmeter) und Fabio Silva (78.) bewahrten den Tabellenzweiten vor einer Blamage. Der Aufsteiger war vor der Pause durch Philip Otele (19.) und Albert Sambi Lokonga (38.) in Führung gegangen. Zudem hatte Felix Nmecha einen Elfmeter noch verschossen (45.).
Vor der Pause rennt Dortmund sorglos in Konter
Zumindest in der ersten Halbzeit wirkte der HSV deutlich wacher und entschlossener als der BVB, der sich im Hinblick auf die essenzielle Champions-League-Qualifikation anscheinend bereits allzu sicher wähnte. «Wir haben noch gar nichts erreicht. Wir haben zwar mehr Punkte als zum Ende der letzten Saison, aber wir haben noch sehr schwierige Spiele. Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen», hatte Kovac vor dem Spiel noch gewarnt.
Nach der Aufholjagd haben die Dortmunder vor den kniffligen Spielen gegen die direkten Konkurrenten Stuttgart, Leverkusen und Hoffenheim nun bereits elf Punkte Vorsprung auf Rang fünf.
In der ersten Halbzeit rannte der BVB allzu sorglos immer wieder in Konter, die die Hamburger sogar noch schlecht ausspielten und zur Pause noch höher hätten führen können. Für sein Vertrauen in die eigene Mannschaft wurde Kovac jedenfalls nicht belohnt. Nach dem überzeugenden 2:0 gegen den FC Augsburg hatte es der BVB-Trainer erstmals überhaupt in dieser Saison wieder mit derselben Mannschaft versucht.
Torjäger Serhou Guirassy, der Dortmund im Sommer verlassen könnte, blieb zunächst erneut nur auf der Bank und wurde zur Halbzeit für den völlig enttäuschen Karim Adeyemi eingewechselt.
BVB zunächst ohne Biss
Ohne Biss und Esprit war wenig zu sehen von den Dortmundern. Der linke Außenspieler Daniel Svensson ließ sich in einem unglücklichen Zweikampf gegen William Mikelbrencis nach knapp 20 Minuten abkochen. Dessen Hereingabe verwertete Otele zur Führung.
Wenige Minuten später verhinderte Dortmunds Torhüter Gregor Kobel gegen Ransford-Yeboah Königsdörffer das 0:2, das vor der Pause trotzdem noch fiel. Sambi Lokonga verwertete einen klugen Pass von Fabio Vieira zur verdienten Pausenführung.
Dortmunder Sturmlauf nach der Pause
Die Dortmunder bekamen zwar durch ein dummes Foul von Warmed Omari gegen Maximilian Beier vom Elfmeterpunkt die Chance zum Anschluss. Den Strafstoß setzte Nationalspieler Nmecha indes kläglich neben das Tor.
Kovac reagierte mit Doppelwechseln in der Halbzeit und nach einer gespielten Stunde. Dortmund spielte im zweiten Durchgang nun deutlich druckvoller. Für den HSV gab es kaum noch Entlastung. Ein erneuter Elfmeter war Startschuss für die Aufholjagd: Mikelbrencis war gegen Beier zu spät gekommen. Für den Pfiff musste der Videoschiedsrichter einschreiten.
Nur fünf Minuten später besorgte Silva den Ausgleich. Der Druck auf den HSV wurde nun immer größer. Die Hamburger kamen überhaupt nicht mehr aus der eigenen Hälfte raus. Ein Handspiel vom Muheim gab Bensebaini vom Punkt erneut die Chance, die der Algerier zum großen Jubel der zuvor noch pfeifenden Südtribüne dankend annahm.
Köln (dpa) – Sportchef Thomas Kessler hat nach dem verpassten Derbysieg des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach ein klares Bekenntnis zu FC-Trainer Lukas Kwasniok vermieden. «Ich werde eine Nacht drüber schlafen. Wir werden uns entspannt Richtung Wochenende begeben, und dann machen wir uns unsere Gedanken», sagte Kessler bei Sky nach dem 3:3 in der Fußball-Bundesliga gegen den Rheinrivalen. Die Enttäuschung sei groß.
Einige Minuten später warb Kwasniok in den Katakomben des Stadions für sich. «Das aller allerwichtigste, wenn du einen Trainer hast in einem Verein, ist die Überzeugung von dem Kollegen, der vor der Mannschaft steht. Ich kann nur sagen: Du musst erstmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt», sagte der 44-Jährige. «Das spüre ich bei der Mannschaft. Wir sind ein Team, zu einhundert Prozent.»
Kwasniok: «Ich werde um diesen verdammten Job hier kämpfen»
Kwasniok sagte zudem: «Ich werde um diesen verdammten Job hier kämpfen, mit allem, was ich habe. Weil ich absolut der Überzeugung mit: Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort mit der richtigen Mannschaft im richtigen Verein.» Er spüre die Rückendeckung der Verantwortlichen «zu einhundert Prozent».
Kessler hatte zuvor ausgeführt, es gehe nicht darum, heute eine Entscheidung zu treffen. «Aber wir müssen Stellschrauben drehen, damit wir erfolgreich sein können. Und wie die dann aussehen, ist ergebnisoffen.» Der von Zweitligist Paderborn gekommene Kwasniok hatte die Kölner vor dieser Saison übernommen.
Köln auf Platz 15 abgerutscht
Der eine Punkt gegen Mönchengladbach sei zu wenig, meinte Kessler. Zwar müsse er der Mannschaft ein Kompliment machen, nach dem 0:1 in der ersten Minute stark zurückgekommen zu sein. «Aber das begleitet uns durch die ganze Saison. Wir sind in einer Zeit angekommen, wo wir mal wieder einen Dreier holen müssen.»
In der Tabelle sind die Kölner nach dem siebten sieglosen Spiel in Folge auf den 15. Platz abgerutscht. Am Sonntag kann der FC St. Pauli mit einem Heimsieg gegen den SC Freiburg den Aufsteiger auf Relegationsrang 16 abrutschen lassen. «Wir können alle die Tabelle lesen. Ich glaube, dass wir das jetzt sachlich und rational analysieren. Es gibt eine große Enttäuschung, dass wir nur einen Punkt geholt haben», sagte Kessler.
Berlin (dpa) – Der FC Bayern München strebt in der Fußball-Bundesliga weiter unaufhaltsam dem 35. Meistertitel entgegen. Nach dem lockeren 4:0 (2:0)-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin hat der Tabellenführer nach 27 Spieltagen bereits 97 Tore auf seinem Konto. Zum historischen eigenen Liga-Rekord von 101 Treffern aus der Spielzeit 1971/72 fehlen den Bayern in den verbleibenden sieben Saisonpartien nur noch vier Tore.
Durch den Sieg vergrößerte sich der Vorsprung der Bayern auf Verfolger Borussia Dortmund aber nicht, er beträgt weiterhin neun Punkte. Denn der BVB drehte das verrückte Abendspiel im eigenen Stadion nach zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand gegen Aufsteiger Hamburger SV noch zu einem 3:2 (0:2)-Sieg.
Philip Otele (19. Minute) und Albert Sambi Lokonga (38.) hatten den HSV in Führung gebracht. Nachdem BVB-Profi Felix Nmecha einen Foulelfmeter verschossen hatte, gelang trotzdem noch die Wende. Zwei Elfmetertore von Ramy Bensebaini (73., Foulelfmeter und 84., Handelfmeter) sowie ein Treffer von Fabio Silva (78.) bewahrten den Tabellenzweiten vor einer Blamage.
Der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach verpassten in einem furiosen Rhein-Derby den Sieg. Das 3:3 (2:2) bringt keine Mannschaft im Abstiegskampf so richtig weiter. Als großer Verlierer des 27. Spieltags geht der VfL Wolfsburg hervor. Die Niedersachsen unterlagen Werder Bremen 0:1 (0:0). Bayer Leverkusen enttäuschte beim 3:3 (2:0) in Heidenheim.
FC Bayern macht es souverän
Der FC Bayern zieht an der Tabellenspitze weiter einsam seine Kreise. Durch das lockere 4:0 gegen Union Berlin knackten die Münchner trotz anfänglicher Schwierigkeiten die 70-Punkte-Marke. Michael Olise (43.) löste kurz vor der Pause den Torknoten, Serge Gnabry (45.+1) erhöhte kurz darauf.
Torjäger Harry Kane (49.) und erneut Gnabry (67.) trafen nach dem Seitenwechsel für die nimmermüden Münchner, bei denen Trainer Vincent Kompany seine Elf im Vergleich zum 4:1 gegen Atalanta Bergamo auf fünf Positionen verändert hatte.
Spektakuläres Rhein-Derby bleibt ohne Sieger
Der 1. FC Köln verpasste den erhofften Befreiungsschlag in einem furiosen rheinischen Derby gegen Mönchengladbach. Mit einem Erfolg wären die Kölner an der Borussia vorbeigezogen. Nun liegen sie weiter drei Zähler hinter dem Club vom Niederrhein und nur ganz knapp vor der Abstiegszone.
Jens Castrop (1. und 60. Minute) sowie Philipp Sander (20.) trafen für die Gäste in einer Partie mit offenem Visier. Jungstar Said El Mala (4.) und Ragnar Ache (7.) hatten das Spiel in einer irren Anfangsphase zwischenzeitlich zugunsten der Kölner gedreht. Nach Castrops Traumtor hatten die Gastgeber erneut eine Antwort parat: Eric Martel (84.) glich zum 3:3-Endstand aus, sah aber nur zwei Minuten später Gelb-Rot.
Wolfsburg verliert Kellerduell gegen Bremen
Der VfL Wolfsburg taumelt nach dem 0:1 gegen Werder Bremen der 2. Liga entgegen. Justin Njinmah erzielte in der 68. Minute das Siegtor für die Gäste, die als Tabellen-13. nun sieben Punkte vor dem Vorletzten aus Wolfsburg liegen. VfL-Innenverteidiger Moritz Jenz (90.+2) musste mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz.
Den ersten großen Aufreger gab es schon vor dem Anpfiff. Nach Angaben des VfL versuchten Werder-Anhänger, nicht genehmigte Fan-Utensilien in den Gästeblock zu schmuggeln. Als Ordner dies verhinderten, seien sie zum Teil tätlich angegriffen worden. Die Wolfsburger Polizei bestätigte auf dpa-Anfrage die Festnahme mehrerer Anhänger. Die Fanhilfe beklagte in einer Stellungnahme ein völlig überzogenes und «aggressives Vorgehen» der Polizei.
Leverkusen patzt in Heidenheim
Nur fünf Tage nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League hat Bayer Leverkusen in der Liga den nächsten Dämpfer kassiert. Der Vizemeister verspielte in einer wilden zweiten Halbzeit zwei Führungen und musste sich letztlich mit einem 3:3 beim Tabellenletzten 1. FC Heidenheim zufriedengeben.
Trotz der Tore von Malik Tillman (22. Minute) und Patrik Schick (35./79.) verpasste es Bayer im Kampf um die erneute Qualifikation für die Königsklasse den Druck zu erhöhen. Patrick Mainka (56.) und Marvin Pieringer (72./Elfmeter/85.) trafen für die Heidenheimer, die trotz des Unentschiedens kaum noch vor dem Abstieg zu retten sind.
Heidenheim (dpa) – Sechs Tore, kein Sieger: Nur fünf Tage nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League hat Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga den nächsten Dämpfer kassiert. Der Vizemeister verspielte in einer wilden zweiten Halbzeit zwei Führungen und musste sich letztlich mit einem spektakulären 3:3 (2:0) beim Tabellenletzten 1. FC Heidenheim zufriedengeben.
Trotz der Tore von Malik Tillman (22. Minute) und zweimal Patrik Schick (35./79.) verpasste es Bayer im Kampf um die erneute Qualifikation für die Königsklasse, den Druck auf die Konkurrenten zu erhöhen. Heidenheims Absturz in die Zweitklassigkeit dürfte mit dem 14. sieglosen Spiel nacheinander und neun Punkten Rückstand auf Relegationsrang 16 dagegen nur noch schwer zu verhindern sein – trotz des Achtungserfolgs. Die Treffer von Hennes Behrens (56.) und des zweimal erfolgreichen Marvin Pieringer (72./Elfmeter/85.) zeigen jedoch, dass die Moral stimmt.
Blaswich muss Flekken weichen
Bayer-Coach Kasper Hjulmand hatte in der kurzen Zeit nach dem Ende des Europapokal-Abenteuers beim FC Arsenal zunächst noch ein Geheimnis daraus gemacht, ob der in London glänzend aufgelegte Torhüter Janis Blaswich vom wieder fitten Mark Flekken verdrängt werden könnte. «Es ist eine schwierige Wahl», hatte der Däne gesagt – und sich letztlich für Flekken entschieden.
Der Rückkehrer stand nach etwas mehr als zwei Monaten wieder zwischen den Pfosten und wurde in der Anfangsphase in puncto Strafraumbeherrschung direkt geprüft. Danach hatte Flekken wie schon im Hinspiel erst einmal wenig zu tun. Beim 6:0 in Leverkusen hatte Bayer innerhalb der ersten 27 Minuten vier Treffer erzielt. «Das war schwer zu ertragen», erinnerte sich FCH-Trainer Frank Schmidt.
Nachdem in dieser Woche Gerüchte über seine persönliche Zukunft aufgekommen waren, hatte Schmidt tags zuvor für Klarheit gesorgt. «Auf mich kann man sich verlassen, ich bleibe Trainer in Heidenheim und werde meinen Vertrag erfüllen», erklärte der mit Abstand dienstälteste Bundesliga-Coach. Gebunden ist er an den FCH noch bis 2027.
Leverkusen legt vor
Wie erwartet kontrollierten die Gäste das Spiel und erzielten mit der ersten gefährlichen Aktion die Führung durch Tillman. Schmidt haderte und saß mit verschränkten Armen auf der Trainerbank. Seine Mannschaft stand tief und schaffte es nur selten, sich zu befreien. Das half den Leverkusenern, die durch den sträflich alleingelassen Schick nachlegten.
Wie so häufig in dieser Saison schien den Gastgebern auch das Matchglück zu fehlen: Unmittelbar nach Wiederanpfiff traf der eingewechselte Julian Niehues nur den Pfosten. Doch wenig später ließ Hennes Behrens den Außenseiter hoffen. Die schnelle Antwort verpasste Nathan Tella, dessen Schuss von Torhüter Diant Ramaj noch an die Latte gelenkt wurde.
FCH wittert seine Chance
Die Heidenheimer witterten nun ihre Chance und setzten durch die Einwechslungen Sirlord Conteh und Marvin Pieringer auf volle Offensive. Pieringer entwischte Robert Andrich und holte einen Strafstoß heraus, den er dann selbst verwandelte.
Freuen durften sich die Hausherren allerdings nur wenige Minuten. Nach einem Eckball war erneut Schick zur Stelle. Aber auch dieser Treffer verlieh den Gästen nicht die nötige Sicherheit. Kurz vor dem Ende sorgte Pieringer für das 3:3, das wie ein Sieg bejubelt wurde.
Wolfsburg (dpa) – Der erste Bundesliga-Abstieg des VfL Wolfsburg wird auch mit dem neuen Trainer Dieter Hecking immer wahrscheinlicher. Begleitet von Auseinandersetzungen zwischen Gästefans und der Polizei verlor der Tabellenvorletzte das wichtige Kellerduell mit Werder Bremen mit 0:1 (0:0).
Während die «Wölfe» mehrere gute Chancen vergaben, traf Justin Njinmah in der 68. Minute für sehr effiziente und stark ersatzgeschwächte Bremer. In der Tabelle setzte sich Werder auf sieben Punkte vor den nun seit zehn Spielen sieglosen Wolfsburgern ab. Diesen sportlichen Absturz hat auch Hecking in seinem zweiten Spiel nicht stoppen können. In der Nachspielzeit sah VfL-Verteidiger Moritz Jenz auch noch die Gelb-Rote Karte.
Polizei greift gegen Werder-Fans ein
Seinen ersten großen Aufreger hatte dieses Kellerduell schon vor dem Anpfiff. Nach Angaben des VfL versuchten Werder-Anhänger, nicht genehmigte Fan-Utensilien in den Gästeblock zu schmuggeln. Als Ordner dies verhindert hätten, seien sie zum Teil tätlich angegriffen worden.
Die Polizei rückte mit mehreren Mannschaftswagen an und hinderte zahlreiche Werder-Ultras am Betreten des Stadions. Die Wolfsburger Polizei bestätigte auf Anfrage die Festnahme mehrerer Anhänger. Die Fanhilfe beklagte in einer Stellungnahme ein völlig überzogenes und «aggressives Vorgehen» der Polizei.
Diese Vorfälle haben gleich mehrere Vorgeschichten. 2022 reisten Werder-Fans nach massiven Polizeikontrollen am Wolfsburger Hauptbahnhof schon vor dem Spiel aus Protest wieder nach Bremen zurück. Vor dieser Partie wiederum versuchten tausende Werder-Anhänger an zusätzliche Karten für die Volkswagen Arena zu gelangen, was der VfL größtenteils unterband. Die Wolfsburger gaben nur noch Tickets für Mitglieder in den Verkauf.
Kaum Support im Gäste-Block
In dieser aufgeheizten Atmosphäre war am Ende nicht einmal der Gästeblock der Bremer komplett voll. Es gab keine Banner, Fahnen und größtenteils auch keinen Support der Werder-Fans. Die offizielle Zuschauerzahl betrug lediglich 28.917 Besucher.
Die Bremer mussten in diesem wichtigen Spiel aber nicht nur auf die Fan-Unterstützung verzichten, sondern auch noch auf insgesamt zehn Spieler – darunter so wichtige Stützen wie Jens Stage und Senne Lynen im Mittelfeld sowie Amos Pieper in der Abwehr.
Trotzdem begann Werder dieses Spiel sehr mutig. In der sechsten Minute passte Olivier Deman von der linken Seite in den Fünfmeterraum, wo Romano Schmid nur minimal später an den Ball kam als der Wolfsburger Joakim Maehle. Sechs Minuten später parierte VfL-Torwart Kamil Grabara einen Freistoß von Cameron Puertas und den Nachschuss von Yukinari Sugawara (12.).
Werder-Torwart hält alles
Die Wolfsburger brauchten eine Viertelstunde, um in dieses Spiel zu finden – kamen dann aber mit großer Wucht. Zeitweise lieferte sich die Offensive des VfL bis zur Halbzeit ein Privatduell mit Werder-Torwart Mio Backhaus.
In der 16. Minute parierte der 21-Jährige im Nachfassen einen Kopfball von Jonas Wind aus kurzer Distanz. Einen Freistoß von Christian Eriksen lenkte Backhaus über die Latte (45.), eine schöne Direktabnahme von Jesper Lindström an das Quergestänge (45.+2).
Auch nach der Halbzeitpause ging das zunächst so weiter: Backhaus parierte einen Schuss von Maehle (49.). Mohamed Amoura schoss den Ball ausnahmsweise am Tor vorbei, ohne dass der Bremer Keeper eingreifen musste (60.).
Bremer Tor mit erstem Torschuss
Diese Verschwendung von Torchancen sollte sich aus Wolfsburger Sicht rächen. Denn nach dem ersten Bremer Torschuss der zweiten Halbzeit stand es auf einmal 0:1. Felix Agu passte den Ball fast von der Grundlinie zu Njinmah zurück – und der schob ihn aus 17 Metern überlegt ins lange Eck.
Der VfL antwortete darauf mit wütenden, aber weitgehend planlosen und deshalb kaum noch gefährlichen Angriffen. Werder verteidigte den wichtigen Vorsprung mit viel Leidenschaft. In der Schlussphase musste selbst Backhaus nicht mehr eingreifen.
Köln (dpa) – Der 1. FC Köln hat den erhofften Befreiungsschlag in einem spektakulären rheinischen Derby gegen Borussia Mönchengladbach verpasst. Eric Martel rettete der Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok mit seinem späten Tor in der 84. Minute gegen den Erzrivalen zwar noch ein 3:3 (2:2). Der FC steckt nach jetzt sieben Spielen ohne Sieg aber weiter tief im Abstiegskampf. Der Druck auf Kwasniok ist groß.
Mit einem Erfolg wären die Kölner an der Borussia vorbeigezogen. Nun liegen sie weiter drei Zähler hinter dem Club vom Niederrhein und nur ganz knapp vor der Abstiegszone.
Vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften Kölner Stadion erzielten vor Martel Jungstar Said El Mala (4. Minute) und Ragnar Ache (7.) die Tore für die Gastgeber. Zweimal Jens Castrop (1./60.) und Philipp Sander (20.) trafen für das Team von Coach Eugen Polanski. Kurz nach seinem Tor zum 3:3 sah Kölns Martel Gelb-Rot (86.).
Verrückte Startphase
Das 100. Bundesliga-Derby der beiden Clubs brauchte keine Anlaufphase. Es ging direkt richtig zur Sache. Gladbachs Franck Honorat passte von rechts in die Mitte. Dort entwischte Castrop FC-Abwehrspieler Cenny Neumann, der kurzfristig für Tom Krauß in die Startelf gerutscht war, und traf nach einer halben Minute zur Führung für die Gäste.
Die hielt jedoch nicht lange. Köln zeigte eine richtig starke Reaktion und überrumpelte Gladbach binnen kürzester Zeit doppelt. El Mala und Ache drehten die Partie bis zur siebten Minute – was für eine Anfangsphase!
Und es ging mit viel Action weiter. Die Borussia musste einige bange Minuten des euphorisierten FC überstehen, kam dann aber wieder besser ins Spiel. Der auffällige Castrop, der in seiner Jugend lange für Köln gespielt hatte, ging mit dem Ball bis zur Grundlinie und flankte in die Mitte. Dort wurde Sanders erster Versuch noch geblockt, der zweite Schuss des aufgerückten Gladbacher Defensivmanns sorgte für den Ausgleich.
Castrop trifft sehr sehenswert
Die Partie war komplett ausgeglichen. Beide Mannschaften lieferten sich packende Zweikämpfe und kamen zu weiteren Abschlüssen. Die Halbzeitpause hatten sich sowohl die Kölner als auch die Gladbacher zur Erholung redlich verdient.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein Duell auf Augenhöhe. Es ging hin und her. Ein Traumtor ließ die mitgereisten Gladbacher Fans ein drittes Mal jubeln. Castrop fasste sich rund 20 Meter vor dem Tor in halblinker Position ein Herz und knallte den Ball ins rechte obere Eck.
Köln versuchte nun, Druck aufzubauen. Kwasniok tauschte fast seine komplette Offensive aus. Viele Chancen hatte der FC aber nicht. Als vieles schon auf den zweiten Derbysieg in dieser Saison für die Borussia hindeutete, traf Martel nach einer Ecke zum 3:3. Kurz darauf musste er vom Feld. Sein Platzverweis war der Schlusspunkt an einem erinnerungswürdigen Fußballnachmittag.
München (dpa) – Die strahlenden Bayern-Stars um Doppelpacker Serge Gnabry verabschiedeten sich mit glänzenden Aussichten in die Länderspielpause. Die Münchner Ballermänner streben in der Fußball-Bundesliga weiter unaufhaltsam dem 35. Meistertitel entgegen – und einem historischen Torrekord.
Nach dem lockeren 4:0 (2:0) gegen den 1. FC Union Berlin, das auch noch viel höher hätte ausgehen können, fehlen dem souveränen Tabellenführer in den verbleibenden sieben Saisonpartien nur noch fünf Tore, um die eigene Liga-Bestmarke von 101 Treffern aus der Spielzeit 1971/72 zu überbieten. «Es ist schon unglaublich, diese Torausbeute. Er wird fallen», sagte Sportdirektor Christoph Freund: «Wir wollten mit einem guten Gefühl in die Pause gehen.»
Vor 54 Jahren war Gerd Müller mit 40 Toren der Torgarant beim Rekord, 54 Jahre später ist es Harry Kane. Nach dem Doppelschlag von Michael Olise (43. Minute) und Serge Gnabry (45.+1) kurz vor der Pause erzielte der 32 Jahre alte Engländer sein 31. Saisontor (49.).
Jubelnd ballte Kane auf dem Rasen sitzend die Fäuste, nachdem er sich im Strafraum energisch durchgesetzt hatte und mit rechts aus 15 Metern traf. Ihm fehlen noch zehn Tore zum Bundesliga-Rekord von Robert Lewandowski.
Doppelpack von Gnabry: «Wahnsinn»
Der in Länderspielform auftretende Doppelpacker Gnabry erhöhte noch (67.). «Wahnsinn, unglaublich», sagte Kapitän Joshua Kimmich zum starken Auftritt seines guten Kumpels. «Wir sind da, wo wir sein müssen und sein wollen», betonte Trainer Vincent Kompany vor der entscheidenden Saisonphase.
Die Münchner Torproduktion brauchte vor 75.000 Zuschauern in der Allianz Arena diesmal einige Anlaufzeit, aber dann lief sie wieder einmal heiß. «Wir sind mit vier (Gegentoren) gut bedient», sagte Trainer Steffen Baumgart. «Auch ein 0:8 war möglich», meinte Union-Kapitän Christopher Trimmel: «Die Bayern sind gerade das Nonplusultra.»
Von den Gästen war in der Vorwärtsbewegung wenig bis nichts zu sehen. Sie waren nahezu 90 Minuten lang mit Verteidigungsarbeit beschäftigt. Jonas Urbig musste sich als Vertreter von Manuel Neuer im Bayern-Tor nur einmal auszeichnen, als er einen Schuss von Woo-Yeong Jeong parierte (77.).
Karl vergibt das 1:0 – Pfosten
Lennart Karl hätte die Bayern schon früher in Führung bringen können und sich so nach seiner ersten Nominierung für die Nationalmannschaft noch einmal nachdrücklich für die anstehenden WM-Tests gegen die Schweiz und Ghana empfehlen können. Doch der 18-Jährige schoss den Ball nach einem perfekten Angriff über Joshua Kimmich und Josip Stanisic an den Pfosten (29.).
Besser machten es danach die Angreifer Olise und Gnabry. Einen langen Ball von Leon Goretzka nahm Flügel-Zauberer Olise technisch perfekt an, versetzte Gegenspieler Stanley Nsoki und schlenzte den Ball gefühlvoll in die lange Ecke. Es war das elfte Saisontor des Franzosen.
Und Gnabry legte nach: Union-Torwart Frederik Rönnow kam an eine Flanke von Kimmich nicht richtig heran, Gnabry bedankte sich. Das Spiel war damit schon zur Halbzeit entschieden. Die Jagd auf den Torrekord trieb Kane und Co. aber auch nach der Pause weiter an. Olise verpasste mit einem Pfostenschuss ebenfalls Saisontor Nummer 98 wie Kane, der frei vor Rönnow den Ball neben das Tor lupfte (90.).