«Pfui. Widerlich»: Stimmungsmache vom Kölner Stadionsprecher

«Pfui. Widerlich»: Stimmungsmache vom Kölner Stadionsprecher

Köln (dpa) – Beim unglücklichen 1:2 des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund hat sich Stadionsprecher Michael Trippel den Unmut des eigenen Vereins zugezogen. Sportchef Thomas Kessler kritisierte den Stadionsprecher deutlich für dessen deutliche Kritik am Schiedsrichterteam bei zwei strittigen Entscheidungen.

«Pfui. Widerlich», hatte Trippel in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit über das Stadion-Mikrofon geschimpft, nachdem Schiedsrichter Daniel Siebert dem Kölner Jamai Simpson-Pusey die Rote Karte wegen groben Foulspiels (45. Minute +2) gezeigt hatte. Siebert hatte zunächst die Gelbe Karte gezückt, seine Entscheidung aber nach Ansicht der Videobilder revidiert. 

FC-Sportchef Kessler kündigt Nachspiel an

Als dem Dortmunder Yan Couto in Nachspielzeit der zweiten Halbzeit der Ball im eigenen Strafraum an den Arm gesprungen war, es aber weder einen Elfmeterpfiff noch ein Einschreiten des Video-Schiedsrichters gab, platzte dem Kölner Stadionsprecher endgültig der Kragen. Nach Spielende schrie er ins Mikrofon: «In der 95. Minute hat es ein klares Handspiel eines Dortmunders im Strafraum gegeben und das guckt sich noch nicht einmal einer an!» Damit löste er wütende Reaktionen der Kölner Fans aus.

Für Kessler zu viel des Guten. «Es ist nicht richtig, dass ein Stadionsprecher im Rahmen eines Bundesliga-Spiels seine Emotionen über das Mikrofon preisgibt», sagte Kessler und kündigte an: «Da werden wir sicher im Nachgang drüber sprechen.» 

In der Frage nach dem Platzverweis gab der Kölner Sportchef Siebert recht. Für den nicht gegebenen Elfmeter hatte auch er allerdings kein Verständnis. «Ich finde, man kann das Handspiel aus dem Spiel heraus sehen. Wenn er das nicht sieht, gibt es immer noch einen VAR. Das ist ein Elfmeter», schimpfte Kessler.

Hollywood-Club Wrexham verpasst Pokalsensation gegen Chelsea

Hollywood-Club Wrexham verpasst Pokalsensation gegen Chelsea

London (dpa) – Der AFC Wrexham und seine prominenten Miteigentümer Ryan Reynolds und Rob Mac haben im FA Cup knapp eine Sensation gegen Club-Weltmeister FC Chelsea verpasst. Zweimal führte der Zweitligist aus Wales in der fünften Runde des ehrwürdigen Wettbewerbs gegen die Londoner, musste sich aber am Ende 2:4 (1:1, 2:2) nach Verlängerung geschlagen geben. 

Im heimischen Racecourse Ground trafen Sam Smith (18. Minuten) und Callum Doyle (78.) vor den Augen der mitfiebernden Hollywood-Stars für Wrexham. Ein Eigentor von Keeper Arthur Okonkwo (40.) und ein Treffer von Joshua Acheampong (82.) brachten den früheren Champions-League-Sieger zurück. In der Nachspielzeit sah George Dobson (90.+3) bei den Walisern die Rote Karte. 

Alejandro Garnacho (96.) brachte den Premier-League-Club in der Verlängerung erstmals in Führung. Der vermeintliche Ausgleich von Lewis Brunt zählte nach Intervention des VAR wegen Abseitsstellung nicht. João Pedro (120.+5) besorgte den Endstand.

Durchmarsch aus der fünften Liga

2021 hatten Reynolds und McElhenney den traditionsreichen Club, der am englischen Ligabetrieb teilnimmt, für 2,5 Millionen Dollar übernommen. Durch die FX-Dokumentation «Welcome to Wrexham» wurde er weltbekannt. In der Folge gelang der Durchmarsch von der fünfthöchsten Spielklasse in die 2. Liga. In dieser Spielzeit hat Wrexham Chancen auf die Playoff-Spiele zur Premier League.

In den restlichen Partien setzten sich die Favoriten durch. Arsenal und Kai Havertz schlugen Mansfield Town 2:1. Der FC Liverpool schaltete mit dem eingewechselten Florian Wirtz die Wolverhampton Wanderers mit 3:1 aus.

Hoffenheims Stürmer Bebou trauert um Kind

Hoffenheims Stürmer Bebou trauert um Kind

Heidenheim (dpa) – Mit einer emotionalen Geste dachten Torschütze Alexander Prass und seine Teamkollegen der TSG 1899 Hoffenheim an ihren Teamkollegen Ihlas Bebou. Beim 4:2 (2:0)-Erfolg beim 1. FC Heidenheim hielt Prass nach dem Führungstor zum 1:0 ein Trikot des fehlenden Stürmers in die Kameras. Bebou hatte einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften und trauert um sein Kind. 

«Mein geliebter Sohn, 8 Monate habe ich dich unter meinem Herzen getragen, deine Bewegungen und deine Liebe gespürt», hatte seine Frau in einem Post auf Instagram geschrieben. «Und doch bist du still auf die Welt gekommen, bevor du richtig da warst. Aber du warst da, so vollkommen, so schön und so perfekt.» Auch die TSG 1899 Hoffenheim hatte unter dem Post viel Kraft gewünscht.

«Wir wollten ein kleines Zeichen setzen, dass wir hinter ihm stehen und ihm das auch zeigen», sagte der zweifache Torschütze Prass in Heidenheim. 

Missverständnis mit den Heidenheimer Fans

Da die Geste vor dem Heidenheimer Block stattfand, führte sie bei den Heimfans allerdings zu Ärger. Es sei den Spielern darum gegangen, «sich solidarisch mit einem sehr, sehr geschätzten Kameraden zu zeigen und seiner Familie. Deshalb finde ich es toll», sagte Hoffenheims Co-Trainer Moritz Volz, der an der Seitenlinie den erkrankten Chefcoach Christian Ilzer vertrat. «Ich glaube, die Tatsache, dass das dann vor den gegnerischen Fans war, war mit Sicherheit nicht so ausgewählt, sondern eher einfach tollpatschig.»

Die FCH-Fans hätten die Aktion falsch verstanden, erklärte Heidenheims Trainer Frank Schmidt. «Wir wussten natürlich nicht, um was es im Detail geht, haben es dann aber während des Spiels mitbekommen.» Er habe dann den Zeugwart zu den Fans geschickt, um die Geste zu erklären. «Deswegen gab es danach auch kein Theater mehr», sagte Schmidt. Auch der 1. FC Heidenheim wünsche Bebou das Beste.

Kein neuer Vertrag: Brandt verlässt Dortmund am Saisonende

Kein neuer Vertrag: Brandt verlässt Dortmund am Saisonende

Köln (dpa) – Fußball-Nationalspieler Julian Brandt verlässt nach sieben Jahren den Bundesligisten Borussia Dortmund am Saisonende. Das gab BVB-Geschäftsführer Lars Ricken nach dem 2:1 beim 1. FC Köln bekannt. 

«Es ist einfach so, dass es Gespräche gegeben hat und man sich dann eben einig war, dass der auslaufende Vertrag nicht verlängert wird», sagte Ricken bei Sky: «Ich glaube, wir können nur Dankbarkeit für ihn haben, er hat sieben Jahre bei uns gespielt. Er wurde auch immer mal kritisch gesehen, heute hat er auch wieder eine Torvorlage gemacht.»

Ricken erklärte aber auch, was ein Grund für die Trennung nach Saisonende gewesen sein könnte. «Er wird jetzt auch in ein paar Wochen 30, wir können uns ein bisschen neu orientieren», sagte er. Man gehe «mit ganz viel Wertschätzung auseinander, aber wie gesagt: Es ist auch für beide Seiten jetzt nochmal eine Chance.»

Das sagt Trainer Kovac zur Entscheidung

Trainer Niko Kovac bestätigte die Entscheidung etwas später. «Beide Seiten sind zu dem Entschluss gekommen, dass es was anderes geben wird», sagte er: «Von daher werden wir noch die nächsten neun Spiele mit Jule erfolgreich bestreiten.» Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hält es für «vollkommen richtig, dass beide Seiten wissen, was Sache ist», wie der bei Sky betonte. 

Brandt war im Sommer 2019 von Bayer Leverkusen nach Dortmund gekommen und hat für den BVB fast 300 Pflichtspiele bestritten. Wirklich unumstritten war der Offensivspieler bei den Fans aber nicht immer.

BVB siegt in Köln – FC-Ärger auf Schiedsrichter

BVB siegt in Köln – FC-Ärger auf Schiedsrichter

Köln (dpa) – Die Dortmunder Profis feierten vor ihren Fans erleichtert den am Ende erzitterten Sieg. Beim 1. FC Köln richtete sich die Wut über die 1:2 (0:1)-Niederlage in Unterzahl gegen den Schiedsrichter. Weil Daniel Siebert in der Nachspielzeit keinen Handspiel-Elfmeter für die Gastgeber pfiff, obwohl der Dortmunder Yan Couto im eigenen Strafraum den Ball nach einer Flanke mit ausgestrecktem Arm berührt hatte, frustrierte die Kölner extrem.

«Das ist eine klare Vereitelung einer Torchance. Dass man das nicht sieht – dafür habe ich überhaupt kein Verständnis», sagte Kölns Geschäftsführer Thomas Kessler bei Sky. FC-Torhüter Martin Schwäbe erging es ähnlich: «Ich kann es nicht nachvollziehen, wo man die Messlatte zieht.» BVB-Geschäftsführer Lars Ricken meinte: «Das hätte man durchaus pfeifen können.» 

Kölns Trainer Lukas Kwasniok, der nach dem fünften sieglosen Spiel am Stück noch stärker unter Druck geraten ist, sprang nach Ansicht der Videobilder wie wild auf und ab an der Seitenlinie. «Ich verstehe ihn voll und ganz, dass er stocksauer ist», sagte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus als Sky-Experte: «Hellrote Karte in den Kölner Keller!»

Rot für Simpson-Pusey

Beim abstiegsbedrohten Bundesliga-Aufsteiger schossen Serhou Guirassy (16. Minute) und Maximilian Beier (60.) die Tore für den Tabellenzweiten aus Dortmund. Bei den Rheinländern hatte Jamai Simpson-Pusey wegen groben Foulspiels in der Nachspielzeit der ersten Hälfte die Rote Karte (45.+2) gesehen. Köln kämpfte aber und kam durch Jakub Kaminski (88.) immerhin zum Anschlusstreffer. 

Durch den Sieg wahrten die Dortmunder ihren Vorsprung von sechs Punkten auf den Dritten Hoffenheim. Für die Kölner wird die Lage nach dem fünften sieglosen Spiel am Stück dagegen immer bedrohlicher. Der Vorsprung von zwei Zählern auf die Abstiegsregion könnte am Sonntag komplett aufgebraucht sein. In den kommenden Spielen beim Hamburger SV und im Derby gegen Borussia Mönchengladbach gegen direkte Konkurrenten müssen Punkte her – wohl auch, um den Job von Kwasniok zu retten.

Nach der jüngsten 0:2-Enttäuschung gegen den FC Augsburg hatten die Kölner Bosse dem Trainer zwar den Rücken gestärkt. Dennoch hatte es in den Tagen vor dem Spiel gegen den BVB Berichte über ein angebliches Ultimatum gegeben, das Kwasniok indes dementierte. Dass der FC dringend mal wieder gewinnen muss, war indes auch dem 44-Jährigen klar. 

Engagement bei den Kölner stimmte

Tatsächlich begann sein Team forsch und hatte zumindest zu Beginn mehr Ballbesitz als der Tabellenzweite, bei dem die Anspannung nach dem 2:3 im Spitzenspiel gegen den FC Bayern und der damit wohl verspielten Meisterschaft zu fehlen schien. Der BVB quälte sicher eher durch die Partie, als Freude am Spiel zu haben. Die Kölner machten das Spiel, aber Dortmund ging in Führung. 

Es war der frühere FC-Stürmer Guirassy, der den Kollektivschlaf der Kölner Abwehr ausnutze. Nach einer Ecke beförderte Maximilian Beier den Ball wieder im Bogen in den Kölner Strafraum, wo Guirassy schnell schaltete und den Ball mit der Sohle vorbei an FC-Keeper Marvin Schwäbe ins Netz drückte. Für den Angreifer war es der zwölfte Saisontreffer und bereits der siebte in der Rückserie.

Wegen des Fastenmonats Ramadan hatte Dortmunds Chefcoach Niko Kovac gegen die Bayern noch auf die Moslems Guirassy und Ramy Bensebaini in der Startelf verzichtet. In Köln durften beide dann aber wieder von Beginn an ran. 

Übler Tritt von Simpson-Pusey bringt Platzverweis

Nach der Führung übernahmen die Westfalen langsam die Spielkontrolle, ohne dabei zu glänzen. Die Kölner schwächten sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit selbst. Winter-Zugang Simpson-Pusey trat Beier von hinten grob und ohne Aussicht auf den Ball in die Achillessehne. Die Gelbe Karte revidierte Schiedsrichter Daniel Siebert nach Ansicht der Videobilder zum Unmut des Kölner Publikums und zückte Rot.

In Unterzahl stemmten sich die Rheinländer zwar gegen die Niederlage, waren aber zu harmlos. Die Dortmunder taten nicht mehr als nötig, um den Sieg zu sichern. Nach einer Stunde spielte sich Beier im Doppelpass mit Julian Brandt frei und traf zum 2:0. Durch Kaminskis Anschlusstreffer wurden die Schlussminuten nochmal spannend.

Traumstart perfekt: Deutsche Fußballerinnen siegen klar

Traumstart perfekt: Deutsche Fußballerinnen siegen klar

Stavanger (dpa) – Mit einer weiteren Machtdemonstration im Klassiker gegen Norwegen haben die deutschen Fußballerinnen den Traumstart in die WM-Qualifikation perfekt gemacht. Wenige Tage nach dem 5:0 gegen Slowenien siegte das Team von Bundestrainer Christian Wück im 43. Duell mit den Norwegerinnen 4:0 (3:0) in Stavanger.

Elisa Senß (18. Minute), Carlotta Wamser (45.+1), Vivien Endemann (45.+4) und Jule Brand (58.) trafen für die höchst effiziente DFB-Elf vor 8.500 Zuschauern. Das Thema Chancenverwertung, oft diskutiert in den vergangenen Monaten, war dieses Mal keines. Gnadenlos bestrafte die DFB-Auswahl die Lücken in der norwegischen Abwehr. 

Torhüterin Berger gibt Entwarnung

«Wir haben von Anfang alles reingeschmissen», sagte Leverkusens Wamser im ZDF, «wir haben auch mal nicht so viele Chancen gebraucht, um Tore zu machen. Das Gesamtprodukt war dann sehr, sehr gut.» 

Torhüterin Ann-Katrin Berger gab nach ihrem Zusammenprall kurz vor Spielende mit Norwegens Elisabeth Terland Entwarnung: «Mir geht’s gut. Wir haben zu null gespielt, da muss es einem immer gutgehen. Natürlich habe ich ein paar Mal was abbekommen, aber das gehört – glaube ich – zum Fußballspielen dazu.»

Wück nimmt drei Änderungen vor

Im Vergleich zum Slowenien-Spiel in Dresden setzte Wück in der Innenverteidigung auf Vizekapitänin Janina Minge statt Camilla Küver. Im Sturmzentrum durfte Nicole Anyomi anstelle von Shekiera Martinez ran, und EM-Entdeckung Wamser begann für Linda Dallmann. In der offensiven Dreier-Mittelfeldreihe übernahm Wamser die rechte Seite, Jule Brand rückte auf die Dallmann-Position im Zentrum.

Die Scheu vor dem ungewohnten Kunstrasen legte die DFB-Elf schnell ab. Nach einem Ballgewinn von Kapitänin Giulia Gwinn, die ihr 70. Länderspiel absolvierte, bediente Anyomi mustergültig die mitgelaufene Endemann. Doch die Wolfsburgerin setzte den Ball aus 15 Metern an den rechten Außenpfosten. 

Senß machte es wenig später aus fast identischer Position besser: Knaak schickte Linksverteidigerin Franziska Kett die Außenbahn entlang, deren abgefälschte Hereingabe genau bei Senß landete. Die Leverkusenerin schloss direkt und unhaltbar zum 1:0 ab.

Mit der Führung im Rücken kontrollierten die Gäste die Partie weitgehend, auch wenn Berger bei einer Doppelchance gegen Signe Gaupset und Ex-Weltfußballerin Ada Hegerberg in höchster Not retten musste.

Furiose Phase vor der Pause

Kurz vor der Pause nahm der Klassiker dann mächtig Fahrt auf: Die erneut auffällige Endemann entblößte mit einem feinen Steckpass die norwegische Abwehr, so dass Wamser im Zentrum den Ball nur noch an Cecilie Fiskerstrand vorbeispitzeln musste.

120 mitgereiste Fans sahen Sekunden später dieselbe Kombination, dieses Mal landete Wamsers Ball in den Händen von Norwegens Torhüterin Cecilie Fiskerstrand. Die Deutschen durften trotzdem noch ein drittes Mal vor dem Seitenwechsel jubeln. Anyomi, die von Frida Maanums bösem Fehlpass profitierte, sah Endemann, die den Ball frei vor Fiskerstrand unter die Latte setzte.

Wück applaudierte lächelnd angesichts der klaren Pausenführung. Nach dem Wechsel sah er, wie Berger stark gegen Maanum rettete, ehe der folgende Konter über Endemann im 4:0 mündete. Brand schob den Ball durch die Beine der bemitleidenswerten norwegischen Keeperin.

Frankfurterin Veit kommt zu Länderspieldebüt 

In der Folge verhalf Wück der Frankfurterin Jella Veit zu ihrem Länderspieldebüt. Die 20-Jährige rückte für Minge in die Abwehr. Auch Dallmann, Lea Schüller, Sarai Linder und Laura Freigang durften noch Spielpraxis sammeln, während die deutschen Fans mit «Oh, wie ist das schön»-Gesängen ihrer Freude Ausdruck verliehen. Endemann vergab in der Nachspielzeit gar das 5:0.

Weiter geht es für das DFB-Team in der WM-Qualifikation gegen Österreich, erst am 14. April in Nürnberg, dann am 18. April in Ried.

Emotionale Rede: Mintzlaff-Klartext in Leipziger Kabine

Emotionale Rede: Mintzlaff-Klartext in Leipziger Kabine

Leipzig (dpa) – Nach dem äußerst glücklichen Sieg gegen den FC Augsburg hat Oliver Mintzlaff den Spielern von RB Leipzig in der Kabine einen nicht alltäglichen Besuch abgestattet. Der Aufsichtsratsvorsitzende hielt in Anwesenheit von Clubchefin Tatjana Haenni eine lange und dem Vernehmen nach emotionale Rede auf Englisch. Der 50-Jährige wollte das Team damit auf die verbleibenden neun Spiele in der Fußball-Bundesliga einschwören, an deren Ende die Qualifikation zur Champions League stehen soll.

«Ich glaube, es war noch einmal gut für die Mannschaft, für die letzte Phase noch einmal Aufmerksamkeit zu schaffen», sagte Mittelfeldspieler Nicolas Seiwald. «Er hat gesagt, was wichtig ist, was wir besser machen können und was wir schon richtig gut machen. Und das wir international spielen wollen und da gilt es, die nächsten Spiele zu gewinnen.»

Werner nur mit Ergebnis zufrieden

Das von Mintzlaff ausgegebene Ziel heißt Platz vier. Davon trennt die fünftplatzierten Leipziger nach dem 2:1 gegen Augsburg aktuell nur die schlechtere Tordifferenz. Vor der Länderspielpause bekommt es Leipzig mit den direkt vor ihnen platzierten Stuttgartern und den auf dem dritten Rang liegenden Hoffenheimern zu tun.

Dann bedarf es einer besseren Darbietung als gegen Augsburg, wo man erst durch ein Eigentor in der Nachspielzeit gewann. «Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, mit der Leistung nicht», sagte Trainer Ole Werner. «Die Punkte, die man am Ende braucht, holt man an nicht so guten Tagen. Wenn man einen schmutzigen Sieg einfährt, das Glück am Ende erzwingt.»

Deshalb bündeln die Clubs laut Werner vor der entscheidenden Saisonphase alle Kräfte, wozu in Leipzig auch der Kabinenbesuch Mintzlaffs gehörte. «Er hat die Mannschaft eingeschworen, auf die Phase die kommt», sagte Werner. «Man sieht, wie eng dieses Rennen ist. Ich habe es als sehr positiv wahrgenommen.»

Tumulte und Pyro: Wolfsburger Chaos nach Pleite gegen HSV

Tumulte und Pyro: Wolfsburger Chaos nach Pleite gegen HSV

Wolfsburg (dpa) – Tumulte, Pyrotechnik und Trainerdiskussion: Unmittelbar nach dem verlorenen Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV (1:2) hat sich beim VfL Wolfsburg eine hochbrisante Abstiegsstimmung verbreitet. Chefcoach Daniel Bauer droht nach der sechsten Niederlage aus den vergangenen sieben Spielen das Aus. 

«Jetzt müssen wir wirklich erst mal das alles ein bisschen sacken lassen, dann Gespräche führen und dann werden wir, wenn es was zu sagen gibt, dann auch was sagen», sagte VfL-Sportdirektor Pirmin Schwegler am Samstagabend bei Sky: «Das war doch ein bisschen viel heute alles. Morgen geht es dann aber weiter, und dann werden wir natürlich auch Entscheidungen treffen.»

Bauer selbst konnte oder wollte auf der Pressekonferenz keine Auskunft zu seiner Zukunft geben: «Morgen früh um 11.00 Uhr ist unser Spielersatztraining. Seht mir nach, es geht nicht um meine Person. Der Frust ist riesengroß.»

Auch bei Spielern und Fans. Nach dem Schlusspfiff kam es zu einer Rudelbildung von Spielern auf dem Rasen, der Wolfsburger Ersatztorwart Marius Müller sah die Rote Karte. Im Wolfsburger Fanblock wurde Pyrotechnik gezündet, einige Fackeln flogen auch Richtung Platz.

Der Kapitän ist frustriert

«Es war absolut kein schöner Moment. Alle, die es mit dem VfL Wolfsburg halten, sind frustriert», sagte Kapitän Maximilian Arnold bei DAZN. Es sei nicht schön in der Kabine gewesen, verriet der Mittelfeldspieler: «Ich glaube, heute schläft keiner, weil es ziemlich weh tut.» Bei seinem Sky-Interview wurde Arnold durch Zwischenrufe von den Rängen gestört.

«Da sind Dinge gefallen, die definitiv unter der Gürtellinie sind», sagte der HSV-Coach Merlin Polzin bei DAZN über die Szenen unmittelbar nach dem Spiel: «Natürlich ist das nie schön.» Der deutsche Fußball lebe von der Emotionalität, «wenn man dann unzufrieden ist mit der Leistung, die gezeigt wird, dann entlädt sich das vielleicht irgendwann», sagte Polzin: «Aber trotzdem hoffe ich natürlich, dass der VfL sich fängt.»