«Tut extrem weh»: Dortmund scheitert in der Champions League

«Tut extrem weh»: Dortmund scheitert in der Champions League

Bergamo (dpa) – Fassungslos standen die Profis von Borussia Dortmund vor ihren Fans und konnten den Last-Minute-Alptraum in der Königsklasse kaum begreifen. Nach einem schwachen Auftritt und einem Elfmeter-Gegentor in der Nachspielzeit hat sich der BVB frühzeitig aus der Champions League verabschiedet und drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Bayern München einen millionenschweren Rückschlag erlitten. Im Playoff-Rückspiel bei Atalanta Bergamo verspielten die Dortmunder zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte einen Zwei-Tore-Vorsprung und schieden durch das 1:4 (0:2) verdient aus.

«Das tut extrem weh», sagte Kapitän Emre Can. «Kein Vorwurf an irgendeinen Spieler. Aber wenn du so viele individuelle Fehler machst, dann wird es schwer, weiterzukommen. Wir sind am Ende sehr unglücklich, aber wenn man ehrlich ist, verdient nicht weitergekommen.» 

Die Entscheidung fiel erst tief in der Nachspielzeit. Nach einem Fehlpass von BVB-Torwart Gregor Kobel und einer Flanke in den Dortmunder Strafraum traf Ramy Bensebaini Bergamos Stürmer Nikola Krstovic mit der Hacke im Gesicht. Der Schiedsrichter schaute sich die Szene am Videobildschirm an, zeigte Bensebaini Gelb-Rot, Nico Schlotterbeck auf der Bank sogar glatt Rot – und entschied auf Elfmeter. Den verwandelte der gebürtige Berliner Lazar Samardzic zum 4:1 (90.+8).

Kobel entschuldigt sich

«Das war mein Fehler am Ende», sagte Kobel. «Es tut mir leid für die Jungs.» Ein solches Aus war den Dortmundern im Europacup zuvor nur im Dezember 1987 gegen den FC Brügge passiert. Damals scheiterte der BVB nach einem 3:0 im Hinspiel durch ein 0:5 nach Verlängerung.

Dieses Mal sorgten Gianluca Scamacca (5. Minute), Davide Zappacosta (45.), Mario Pasalic (57.) und Samardzic schon in der regulären Spielzeit für das Aus des Bundesliga-Zweiten. «Es war unnötig. Unterm Strich haben wir heute aber kein gutes Spiel gemacht», sagte Trainer Niko Kovac. Das 1:3 von Karim Adeyemi (75.) sorgte für neue Hoffnung, war aber zu wenig. 

Warnungen verpuffen früh

Sport-Geschäftsführer Lars Ricken hatte die Dortmunder schon vor dem Spiel gewarnt. «Wenn irgendjemand glaubt, dass wir in einer komfortablen Situation sind, kann das auch schnell ein böses Erwachen geben», sagte er.

Tatsächlich war der BVB-Plan schon nach fünf Minuten gescheitert. Lorenzo Bernasconi wurde auf dem linken Flügel gut in Szene gesetzt, seine flache Hereingabe drückte Scamacca am langen Pfosten unbedrängt über die Linie. BVB-Torwart Gregor Kobel, der 60 Sekunden zuvor gegen Nicola Zalewski gerettet hatte, war machtlos.

Dortmund viel zu brav

Die frühe Führung beflügelte die Hausherren zusätzlich. Angetrieben von seinen heißblütigen Fans drängte Atalanta auf den zweiten Treffer, den Kobel bei einem weiteren Schuss von Zalewski (24.) mit einer Glanzparade noch verhinderte. 

Auch Kapitän Emre Can, der bei seiner Rückkehr gleich in der Startelf stand, konnte der Abwehr keine Sicherheit geben. Der 32-Jährige hatte seit Ende Januar wegen Adduktorenproblemen zuletzt fünf Pflichtspiele verpasst. Die einzige echte Chance in der ersten Halbzeit bot sich Julian Brandt, der mit einem Flachschuss an Bergamos Torwart Marco Carnesecchi scheiterte.

Bergamo bestraft BVB-Fehler

Ohne die Unterstützung seiner Ultra-Fans agierte der Bundesligist viel zu brav. Die organisierten Anhänger waren der Partie wegen behördlicher Maßnahmen im Vorfeld ferngeblieben. «Das ist für uns natürlich sehr bitter und sehr ärgerlich», sagte Kovac dazu. 

Wenige Sekunden vor der Pause musste der BVB-Trainer dann miterleben, wie Ramy Bensebaini einen Distanzschuss von Zappacosta unhaltbar für Kobel abfälschte. Nach dem Wechsel kam es noch schlimmer. Pasalic stand bei einer Flanke aus dem Halbfeld völlig frei und überwand Kobel per Kopf.

Wenige Minuten zuvor hatte Maximilian Beier die große Chance zum Anschluss vergeben, als er völlig frei nur den Pfosten traf. Viel mehr hatte Dortmund in der Offensive nicht zu bieten, auch wenn Adeyemi noch einmal für Hoffnung sorgte.

Samardzic, der nach Stationen bei Hertha BSC und RB Leipzig schon 2021 nach Italien gewechselt war, hätte das 4:1 sogar schon früher schießen können (82.). Beim späten Elfmeter blieb der 24-Jährige dann ganz cool.

FIFA-Chef zu Gewalt vor WM: «Vollstes Vertrauen in Mexiko»

FIFA-Chef zu Gewalt vor WM: «Vollstes Vertrauen in Mexiko»

Mexiko-Stadt (dpa) – Für FIFA-Präsident Gianni Infantino ist die jüngste Gewalteskalation im Co-Gastgeberland Mexiko weniger als vier Monate vor dem Beginn der Fußball-WM kein Grund zur Sorge. «Selbstverständlich beobachten wir die Lage in Mexiko zurzeit genau. Aber wir haben vollstes Vertrauen in Mexiko, in Präsidentin Claudia Sheinbaum und die Behörden. Wir sind überzeugt, dass alles so reibungslos wie möglich verlaufen wird», sagte der Schweizer bei einer Pressekonferenz in Kolumbien.

Nach der Festnahme und dem Tod des Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes alias «El Mencho» am Sonntag hatten Kämpfer seines Drogenkartells in mehreren mexikanischen Bundesstaaten Straßensperren errichtet, Autos in Brand gesteckt und Geschäfte angegriffen. Bei dem Zugriff und anschließenden Gefechten kamen 74 Menschen ums Leben.

Infantino lapidar: «Es können Dinge passieren»

Zu diesen Gewaltausbrüchen sagte Infantino: «Mexiko ist ein großartiges Land, wie jedes andere Land der Welt auch. Es können Dinge passieren. Wir leben nicht auf dem Mond oder einem anderen Planeten. Deshalb haben wir Regierungen, Polizei und Behörden, die für Ordnung und Sicherheit sorgen.»

Mexiko richtet die Fußball-WM in diesem Sommer gemeinsam mit den USA und Kanada aus. In Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey werden insgesamt 13 Spiele ausgetragen. Bereits Ende März und Anfang April sollen in Guadalajara und Monterrey zudem jeweils zwei internationale Playoff-Partien zur Ermittlung der letzten beiden WM-Teilnehmer stattfinden.

DFL und TV-Partner in China unterzeichnen Absichtserklärung

DFL und TV-Partner in China unterzeichnen Absichtserklärung

Peking (dpa) – Im Rahmen des Staatsbesuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz haben die Deutsche Fußball Liga und die China Media Group CMG ihre langjährige Medienpartnerschaft bekräftigt. Beide Seiten unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung für eine Verlängerung des TV-Vertrags. Darüber hinaus verständigten sich die Parteien auf weitere Kooperationsfelder, die unter anderem die Nachwuchsförderung im Fußball betreffen.

Das Memorandum of Understanding (MoU) sei von DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel und CMG-Präsident Shen Haixiong unterzeichnet worden. Beim Abschluss der Vereinbarung seien zudem Bundeskanzler Merz (CDU) und der Ministerpräsident der Volksrepublik China, Li Qiang, anwesend gewesen. Das teilte die DFL mit.

Darum ist der Markt in China so interessant

CMG ist laut DFL der größte nationale Medienkonzern der Volksrepublik China und erreicht mit seinem Programm Milliarden Zuschauer. Der zum Konzern gehörende Fernsehsender CCTV zeigte erstmals 1995 Bundesliga-Spiele. Bis einschließlich der Saison 2027/28 hält CMG in China die Übertragungs-Rechte an der Bundesliga-Spiele. Eine Fortsetzung der Partnerschaft gilt nun als sehr wahrscheinlich.

Der chinesische Markt ist für den deutschen Fußball seit Jahren höchst interessant. Die DFL eröffnete 2019 in Peking ein Büro, auch einige Bundesligisten wie der FC Bayern und Borussia Dortmund sind in China dauerhaft aktiv.

Stuttgarts Stiller fit für Celtic – Coach Hoeneß warnt

Stuttgarts Stiller fit für Celtic – Coach Hoeneß warnt

Stuttgart (dpa) – Fußball-Nationalspieler Angelo Stiller hat nach einem Schlag aufs Knie keine langwierige Verletzung erlitten und steht dem VfB Stuttgart im Zwischenrunden-Rückspiel der Europa League gegen Celtic Glasgow zur Verfügung. Der Mittelfeldstratege absolvierte das Mannschaftstraining am Mittwoch.

Das Hinspiel hatten die Schwaben mit 4:1 bei den Schotten für sich entschieden, dennoch warnt Trainer Sebastian Hoeneß vor dem Wiedersehen am Donnerstagabend (18.45 Uhr/RTL). «Es ist sozusagen erst Halbzeit», sagte der Coach. «Aber wir sind zuversichtlich, dass wir uns für die nächste Runde qualifizieren.»

Der VfB könnte sich vor heimischer Kulisse eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied leisten. Hoeneß hofft jedoch, dass seine Mannschaft Selbstvertrauen für die entscheidenden Wochen im Saisonfinale sammelt. «Wir wollen gewinnen, das ist wichtig für uns.»

Abwehrchef Chabot gesperrt

Anders als Stiller steht Jeff Chabot aufgrund einer Gelb-Sperre nicht zur Verfügung. Noch lässt der Coach offen, wer den Abwehrchef vertreten wird. «Abwarten, was morgen passiert», sagte Hoeneß. «Jeff fehlt, aber wir haben Alternativen.» Eine Option ist es, Ramon Hendriks im Abwehrzentrum aufzubieten. Im Hinspiel agierte der 24-Jährige als Linksverteidiger. Außen könnte Maximilian Mittelstädt zum Einsatz kommen. Aber auch Luca Jaquez oder Ameen al-Dakhil sind Alternativen. 

Sollte der VfB Stuttgart das Achtelfinale erreichen, steht dort mit dem FC Porto oder Sporting Braga ein Duell mit einem Club aus Portugal an. Die Entscheidung fällt in der Auslosung am Freitag im Schweizerischen Nyon.

Rassismus-Vorfall: UEFA weist Benfica-Einspruch zurück

Rassismus-Vorfall: UEFA weist Benfica-Einspruch zurück

Nyon (dpa) – Wenige Stunden vor dem Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) einen Einspruch von Benfica Lissabon gegen die vorläufige Sperre des Fußball-Profis Gianluca Prestianni zurückgewiesen. Der 20 Jahre alte Argentinier darf deshalb bei dem Playoff-Rückspiel heute Abend (21.00 Uhr/DAZN) in Madrid nicht spielen.

Seit der ersten Partie am vergangenen Dienstag in Lissabon steht ein Rassismus-Vorwurf gegen Prestianni im Raum. Den erheben die beiden Real-Profis Vinícius Júnior und Kylian Mbappé. Danach soll der Benfica-Spieler den Brasilianer Vinícius Júnior nach dessen Tor zum 1:0-Sieg und seinem anschließenden Jubel als «Affe» bezeichnet haben. Prestianni bestreitet die Vorwürfe. In der Szene hatte er sich das Trikot vor den Mund gezogen.

Die UEFA stellte klar, dass die vorläufige Sperre ungeachtet etwaiger Entscheidungen gelte, die die UEFA-Disziplinarorgane nach Abschluss der laufenden Untersuchung treffen könnten. Als Grund für die vorläufige Sperre gab der Kontinentalverband einen dem ersten Anschein nach vorliegenden Verstoß gegen Artikel 14 der UEFA-Disziplinarordnung im Zusammenhang mit diskriminierendem Verhalten an.

Unions Ansah: Kompanys Rassismus-Statement war wichtig

Unions Ansah: Kompanys Rassismus-Statement war wichtig

Berlin (dpa) – Union Berlins Stürmer Ilyas Ansah ist Bayern-Trainer Vincent Kompany dankbar für sein klares Statement gegen Rassismus. «So etwas darf nicht unter den Teppich gekehrt werden. Dafür darf es keinen Platz geben. Deswegen finde ich es wichtig, dass so eine Person in der Rolle auch sich die Zeit nimmt oder einfach auch was dazu sagt», sagte der 21-Jährige in einer Medienrunde des Fußball-Bundesligisten. 

Kompany hatte in einem viel beachteten Statement das Verhalten von Star-Coach José Mourinho um den möglichen Rassismusvorfall um Real Madrids Stürmer Vinicius Junior und Gianluca Prestianni von Benfica Lissabon in der Champions League kritisiert. 

Täter konfrontieren und bestrafen

Ansah hat nach eigenem Bekunden selbst Erfahrung mit rassistischen Anfeindungen gemacht und wünscht sich ein klares Vorgehen gegen die Täter. 
«Weghören ist, glaube ich, nicht das Richtige in so einer Situation. Man sollte schon die Leute versuchen zur Rechenschaft zu ziehen, die sich trauen, rassistisch zu sein», sagte der dunkelhäutige Junioren-Nationalspieler.

Herz für die Macht: Infantino zehn Jahre FIFA-Boss

Herz für die Macht: Infantino zehn Jahre FIFA-Boss

Zürich (dpa) – Ein hauchzart geträllertes Geburtstags-Ständchen à la Marilyn Monroes Klassiker für John F. Kennedy wäre bestimmt nach dem Geschmack von Gianni Infantino. Nichts liebt der Schweizer so sehr wie die Umgebung der Macht. «Happy Birthday, Mr. President» im Sinne des Lebensalters heißt es für den FIFA-Boss erst in knapp einem Monat. Am Donnerstag hat der Schweizer einen anderen Party-Grund: Sein 10. Amtsjubiläum als Chef des Fußball-Weltverbandes.

Wo und wie Infantino den Ehrentag verbringt, musste auch in der FIFA-Zentrale in Zürich erstmal recherchiert werden. Der 55-Jährige ist nonstop unterwegs. Da kann man den Überblick verlieren. Gerade zerstreute er bei einem Termin in Kolumbien die Sorgen um die WM-Sicherheit in Mexiko. «Wir leben nicht auf dem Mond oder auf einem anderen Planeten, Dinge passieren», sagte er zu den Gewaltexzessen mit vielen Toten im Co-Gastgeberland der Mega-WM. Im Sommer werde ganz sicher alles gut sein. 

Dauergast im Weißen Haus

Immer wieder ist Infantino in Washington. Wie jüngst bei der ersten Sitzung des Friedensrates von Donald Trump als nächstem Event einer hochumstrittenen Männerfreundschaft. Die Überreichung des FIFA-Friedenspreises an den US-Präsidenten bei der bizarren Auslosungsshow im Dezember war bisheriger Kulminationspunkt. «Schleimspur», war das Schlagwort der ätzenden Medien-Kritik vornehmlich aus England am unterwürfigen Verhalten im Dezember. 

Infantino buckelt und Infantino polarisiert, Infantino provoziert – und das vor allem in Ländern, in denen Fußball und Moral als sich bedingende Komponenten betrachtet werden. Die FIFA hält dagegen: In mehr als 200 Ländern werde die Arbeit des Verbandsbosses positiv bewertet, er sei beliebt und geschätzt. Tatsächlich hat er in seiner ersten Dekade als FIFA-Chef für mehr globale Teilhabe an Wettbewerben und vielerorts für materielle Sicherheit gesorgt. 

«Ein Fußballherz» habe Infantino, sagte Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview des Weltverbandes zum Amtsgeburtstag. «Ihn interessiert nicht nur das, was ihm immer vorgeworfen wird, die Einnahmenseite, sondern ihn interessiert Fußball wirklich», versicherte der Aufsichtsrat des FC Bayern München, der in verschiedenen Funktionen mit Infantino zu tun hatte. 

Blatter spricht von «Diktatur»

Die Bewertung durch Kritiker fällt ganz anders aus. Vorgänger Joseph Blatter unterstellte Infantino, eine «Diktatur» aufgebaut zu haben. «Er regiert wie ein Sonnenkönig», sagte der Amtsvorgänger, dem dieser Titel einst selbst zugeschrieben wurde, mehreren Medien. Im Vorjahr ließ Infantino den FIFA-Kongress in Paraguay stundenlang warten. Sein Privatjet war defekt. 

Eine Fußball-Opposition, wie einst bei Blatter, gibt es derzeit tatsächlich nicht. Kritiker aus dem Sport-Orbit halten sich weitgehend zurück. Auch der Deutsche Fußball-Bund und sein Präsident Bernd Neuendorf haben seit dem Kritik-Debakel rund um die WM in Katar 2022 eine andere Taktik eingeschlagen. 

Infantinos Hegemonie wird derzeit akzeptiert. Der Frieden mit der FIFA wurde spätestens mit dessen Besuch beim 125. Verbandsgeburtstag im Vorjahr in Leipzig besiegelt. Der FIFA-Boss hielt eine für ihn typisch launige Rede abseits des geplanten Protokolls und glänzte mit Detailwissen deutscher Fußball-Historie. Das kam ziemlich gut an. 

Überraschender Wahlsieger

Am 26. Februar 2016 eroberte Infantino als Überraschungssieger den FIFA-Chefposten. Mit seinem untrüglichen Instinkt aus vielen Jahren in der zweiten Reihe der Macht bei der UEFA setzte er sich beim Kongress in Zürich gegen mehrere Kontrahenten durch. «Uff», entfuhr es ihm damals noch auf der Bühne als Zeichen der Erleichterung nach der Wahl. 

Erleichtert waren viele Fußball-Größen. Der damals 45-Jährige stand für einen jungen, pragmatischen, Fußball-orientierten Aufbruch nach den Skandal-Jahren der Ära Blatter. Zum Amtsjubiläum deklariert die FIFA mehrere selbst ausgemachte Erfolgsfelder: Fußball-Entwicklung, globale Ausbreitung, Entwicklung des Frauen-Fußballs, technologischer Fortschritt und gute, transparente Unternehmensführung. 

Gerade Letzteres, die Teilhabe anderer und Durchlässigkeit in Hierarchien, sehen Kritiker anders. «Er mag reiche und mächtige Menschen, die mit Geld», sagte jüngst Michel Platini dem englischen «Guardian». Unter dem Franzosen war Infantino UEFA-Generalsekretär. Eigentlich sollte Platini Blatter-Nachfolger werden, doch dubiose Millionenzuwendungen stoppten seinen Aufstieg. «Er war eine gute Nummer zwei, aber er ist keine gute Nummer eins», sagte Platini.

Auch Nähe zu Putin und dem Emir von Katar

Neben den Weltpolitikern, die er für gelungene WM-Turniere umgarnt, sieht Infantino immer aus wie ein Untergebener, der um Anerkennung ringt. Das war bei Wladimir Putin so, und beim Emir von Katar und nun so sehr bei Trump, das für viele Fußball-Fans die Schmerzgrenze überschritten ist. Infantino sei ein «Great Guy», ein großartiger Typ, sagt der mächtigste Mann der Welt. Man schmeichelt sich konstant gegenseitig. 

Um Infantino zu verstehen, muss man seine Vita berücksichtigen. Anerkennung, Zugehörigkeit, Teil des großen Ganzen zu sein, blieben dem italienischen Einwandererkind in der Schweiz lange verwehrt. Der «Secondo» wie man in der Schweiz sagt, kämpfte energisch um dieses Gefühl. Der Fußball bot immer eine emotionale Bleibe. Mindestens so sehr wie die Nähe zur Macht liebt Infantino die Nähe zu den Stars der Branche. 

Aus Infantino wurde ein polyglotter Topmanager, der ein halbes Dutzend Sprachen fließend spricht und am Tisch sitzt, wenn Trump die Welt ordnet. Ein Ende dieser filmreifen Aufsteigerstory ist auch nicht in Sicht. Im kommenden Jahr kann Infantino für vier weitere Jahre zum FIFA-Boss gekürt werden. Die Statuten wurden in diesem Sinne präzisiert, die ersten drei Jahre als Blatter-Ersatz nicht als volle Amtszeit gewertet. Ein Gegenkandidat ist ohnehin nicht in Sicht.

Bayer will «komplette Kehrtwende» – und bloß nicht Bayern

Bayer will «komplette Kehrtwende» – und bloß nicht Bayern

Leverkusen (dpa) – Bloß nicht die Bayern! Nach dem unspektakulären Einzug ins Achtelfinale der Champions League mit der dürftigen Nullnummer gegen Olympiakos Piräus steht zumindest der Wunschgegner von Bayer Leverkusen schon fest. «Arsenal», sagte Sportgeschäftsführer Simon Rolfes. «Ich würde ungern eine deutsche Mannschaft haben, damit vielleicht noch genug deutsche Mannschaften drinbleiben können», ergänzte Nationalspieler Robert Andrich. 

Drohen vier Duelle mit Bayern München? 

Am Freitag um die Mittagszeit wissen sie Bescheid: Bayern München oder der FC Arsenal warten bei der Auslosung. Auch Jonas Hofmann verspürt wenig Lust auf ein nationales Duell. «So früh wieder gegen eine deutsche Mannschaft zu spielen hat für mich nicht so diesen Champions League Charakter. Wenn ich es mir wünschen kann, dann Arsenal. Nach London zu fliegen hat für mich ein bisschen mehr Flair», erklärte Hofmann.  

Zumindest Janis Blaswich könnte einem deutschen Duell auch etwas abgewinnen. «Arsenal habe ich noch nie gespielt, deswegen würde ich mich über das Los freuen. Aber über die Bayern freuen wir uns genauso», sagte der Keeper. Ein Duell mit dem Rekordmeister würde Bayer im März vor eine anspruchsvolle Serie stellen: zwei Champions-League-Partien und ein Bundesliga-Match innerhalb weniger Tage, hinzu käme im April das DFB-Pokal-Halbfinale.

Hjulmand: «Wünschen uns gegen die Besten zu spielen» 

Ein genau solches Szenario schwebte auch Trainer Kasper Hjulmand bei der Frage nach dem Wunschgegner vor: «Wegen einer deutschen Mannschaft und vielleicht viermal gegen Bayern zu spielen, wäre für ein bisschen Abwechslung Arsenal besser», sagte der Däne und betonte das hohe Niveau beider Gegner. «Es sind die besten Mannschaften Europas. Wir wünschen uns gegen die Besten zu spielen und freuen uns auf diese große Aufgabe.» 

In der Form vom Dienstagabend ist Leverkusen allerdings weder gegen München noch gegen den Tabellenführer der Premier League Favorit. Spielerisch blieb bei Bayer vieles Stückwerk, im Aufbau unterliefen dem Team zu viele Fehler. Nur weil der griechische Meister selbst kaum Chancen kreieren konnte, blieb es beim 0:0. «Unsere Leistung war nicht gut. Uns fehlte Energie», bilanzierte Coach Hjulmand schonungslos direkt. 

Kapitän Andrich wertete das Weiterkommen ohne Gegentor als einzig Positives und sprach von einer «Art Showlaufen» bei Prime Video. Hofmann forderte nach seinem Königsklassen-Debüt in dieser Saison, «deutlich in die Analyse» des Auftritts gegen Piräus zu gehen. 

Déjà-vu und Endstadtion Achtelfinale? 

Um mit Europas Topteams mithalten zu können, braucht Leverkusen eine klare Leistungssteigerung. «Uns ist bewusst, dass jeder bei 100 Prozent sein und das eine komplette Kehrtwende zu heute darstellen muss», sagte Hofmann mit Blick auf die nächste Runde. Der Auftritt gegen Piräus lieferte dafür aber kaum Rückenwind und Selbstvertrauen – stattdessen wurden erneut Defizite sichtbar.

Also Endstation Achtelfinale? «Die Spiele müssen erst gespielt werden. Beide Mannschaften, egal ob Bayern oder Arsenal, sind schon der Favorit. Aber wir hatten in der Vergangenheit schon große Momente», sagte der 33-Jährige. Doch auch die Erfahrungen aus dem Vorjahr dürften noch präsent sein: Im Champions-League-Achtelfinale 2025 traf Leverkusen auf Bayern München – nach einem 0:2 im eigenen Stadion folgte ein 0:3 in München.