von | 08.03.2026 | DPA
Hamburg (dpa) – Beim Bundesliga-Spiel zwischen dem FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt ist es zu einem Rollentausch innerhalb des Schiedsrichter-Teams gekommen. Der Linienrichter Christian Dietz verletzte sich kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit an der Wade, musste behandelt werden und konnte zumindest nicht mehr weiter an der Seitenlinie auf und ab laufen.
Nach einer mehrminütigen Unterbrechung übernahm deshalb der 4. Offizielle Eric Weisbach seinen Job – und Dietz stellte sich mit bandagiertem Unterschenkel zumindest bis zur Halbzeitpause zwischen die beiden Trainerbänke. In der zweiten Hälfte sprang der Schiedsrichter-Beobachter des DFB für ihn ein, der dafür von der Tribüne geholt wurde.
von | 08.03.2026 | DPA
Gold Coast (dpa) – Nach ihrem Aus bei der Asienmeisterschaft haben die iranischen Fußballerinnen einem Medienbericht zufolge eine chaotische Abreise vom Stadion erlebt. Laut der australischen Nachrichtenagentur AAP blockierten Demonstranten den Mannschaftsbus und sorgten rund eine Viertelstunde lang für Tumulte.
Einige der rund 200 Demonstranten sollen demnach gegen den Bus geschlagen und «Lasst sie gehen!» geschrien haben. Daraufhin sei die Polizei eingeschritten. Laut AAP seien die iranischen Spielerinnen dabei gefilmt worden, wie sie Fotos von den Protesten machten. Iran hatte zuvor in Gold Coast 0:2 gegen die Philippinen verloren und war damit beim Asien Cup punkt- und torlos ausgeschieden.
Wann und wie kehren die Iranerinnen heim?
«Wir wollen so schnell wie möglich in den Iran zurückkehren», sagte die iranische Trainerin Marziyeh Jafari laut AAP: «Ich möchte bei meinem Land und den Iranern in meiner Heimat sein. Wir sehnen uns nach der Rückkehr.» Allerdings war angesichts der dramatischen Lage im Iran zunächst offen, wie und wann das Team in die Heimat zurückkehren kann.
Laut AAP haben zwölf iranische Gemeindeorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen einen Brief an den australischen Innenminister Tony Burke geschickt, in dem sie «ernsthaften Bedenken» wegen der Sicherheit der iranischen Auswahl zum Ausdruck gebracht haben. Das Team war vor dem Beginn des Krieges zum Asien Cup gereist. Die Sorge um ihre Familien trieb die Spielerinnen während des Turniers um.
Parallele zum Männer-Team bei der WM 2022
Vor dem Anpfiff gegen die Philippinen hatten die Spielerinnen und die Trainerin wie schon zuvor beim Gruppenspiel gegen Gastgeber Australien die Nationalhymne gesungen und dazu salutiert. Beim Auftaktspiel gegen Südkorea unmittelbar nach den Luftangriffen auf den Iran durch die USA und Israel hatte das Team mit einem stillen Protest ein gegenteiliges Zeichen gesetzt.
Die Szenen in Australien erinnern an das Verhalten der iranischen Männer-Nationalmannschaft während der Fußball-WM 2022 in Katar. Auch damals blieb das Team vor dem ersten Spiel gegen England stumm und sang die Nationalhymne vor der zweiten Partie gegen Wales wieder mit – mutmaßlich auch auf Druck des Verbands.
von | 08.03.2026 | DPA
Karlsruhe (dpa) – In der Nachspielzeit hat Dynamo Dresden einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga verpasst. Trotz einer starken ersten Hälfte und einer 3:1-Führung mussten sich die Gäste beim Karlsruher SC mit einem 3:3 (3:1) begnügen. Nach einem Videobeweis gab es für den KSC in der spannenden Schlussphase einen Foulelfmeter. Kapitän Marvin Wanitzek (90.+4) glich mit seinem zweiten verwandelten Elfmeter an diesem Nachmittag noch aus.
Dank zweier Tore von Niklas Hauptmann hatte Dynamo zuvor schon wie der Sieger ausgesehen. Hauptmann traf bereits in der dritten Minute, KSC-Ersatztorhüter Robin Himmelmann wirkte dabei bei seiner Premiere für die Badener unglücklich.
KSC zeigt schwache erste Hälfte
Beim zweiten Dresdner Treffer überraschte Ben Bobzien, der die Hereingabe von Jason Ceka leicht abfälschte (28.), den Routinier im KSC-Tor. Als Hauptmann Dynamo artistisch mit dem 3:1 belohnte, war Himmelmann machtlos (44.).
Der Karlsruher SC enttäuschte vor 33.180 Zuschauern im ausverkauften Stadion in der ersten Hälfte. Wanitzeks verwandelter Strafstoß brachte das zwischenzeitliche 1:1. Youngster Loyey Ben Farhat machte es mit dem sehenswerten Anschluss zum 2:3 wieder spannend (68.), ehe es am Ende turbulent wurde. Farhat jubelte nur kurz über das vermeintliche Siegtor, das wegen Abseits nicht zählte.
von | 08.03.2026 | DPA
Berlin (dpa) – Im packenden Fünfkampf um die Aufstiegsplätze der 2. Fußball-Bundesliga hat Hannover 96 einen herben Dämpfer erlitten. Die Niedersachen verloren überraschend zu Hause gegen Abstiegskandidat SpVgg Greuther Fürth mit 1:2 und sind damit unter den Topteams der große Verlierer des 25. Spieltags.
Als Fünfter beträgt Hannovers Rückstand auf die Tabellenspitze nun schon fünf Punkte, der Relegationsrang ist mit drei Zählern aber weiterhin in Reichweite. Neben Hannover ließ auch der SC Paderborn fest eingeplante Punkte liegen. Schalke 04, SV Darmstadt 98 und SV Elversberg gaben sich hingegen keine Blöße.
Der 1. FC Kaiserslautern hat sich durch das 2:3 beim VfL Bochum endgültig aus dem Kreis der Aufstiegsanwärter verabschiedet. Der neue Tabellensechste Hertha BSC schöpft dagegen nach dem 2:1 bei Preußen Münster wieder ein wenig Hoffnung.
Dzeko trifft – und beißt sich durch
Bei Schalke war wieder einmal auf Stürmerstar Edin Dzeko Verlass. Der 39 Jahre alte Bosnier erzielte beim schwer erkämpften 1:0-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld den Siegtreffer. Ein Abstaubertor – das er unter Schmerzen erzielte. Denn Dzeko hatte sich im ersten Zweikampf mit Gegenspieler Robin Knoche am Rücken verletzt, wie Trainer Miron Muslic verriet.
«Jetzt müssen wir abwarten», sagte Muslic zu einem möglichen Ausfall des früheren Bundesliga-Torschützenkönigs. Dass der prominenteste Spieler der 2. Liga dennoch bis zu seiner Auswechslung in der 88. Minute durchgehalten und viele Zweikämpfe bestritten hatte, beeindruckte auch den Coach: «Das ist auch Edin Dzeko. Er hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt.»
Darmstadt zeigt Reaktion
Die Darmstädter bewiesen gegen Holstein Kiel einmal mehr ihre enorme Heimstärke am Böllenfalltor. Das 2:0 war der siebte Sieg in Serie vor heimischen Fans, der die Aufstiegshoffnungen nährt. Trainer Florian Kohfeldt war froh, dass sein Team nach dem Ausrutscher in Dresden (1:3) die passende Reaktion gezeigt hat.
«Denn eine Niederlage kann etwas mit einer Gruppe machen, damit sind wir aber – auch mit den vielen Ausfällen von Schlüsselspielern – sehr gut umgegangen», lobe Kohfeldt, der unter anderem die verletzten Fabian Nürnberger, Matthias Bader und Fraser Hornby ersetzen musste.
Späte Tore für Elversberg und Paderborn
Nur mit Mühe verhinderte Elversberg einen Rückschlag. Beim 1:0 gegen Abstiegskandidat 1. FC Magdeburg mussten die Fans bis zur 85. Minute warten, ehe Lukasz Poreba das Siegtor gelang. «Es war ein Arbeitssieg – nicht mehr, nicht weniger. Und es ist klar, dass gerade nicht alles so flutscht», sagte Trainer Vincent Wagner: «Da boxen wir uns gerade so durch.»
Die Paderborner wussten nicht, ob sie sich nach dem 1:1 gegen Braunschweig über zwei verlorenen Punkte ärgern oder über einen gewonnenen Zähler freuen sollten. Sven Michel gelang erst in der achten Minute der Nachspielzeit der Ausgleichstreffer für die rund eine halbe Stunde in Überzahl spielenden Gastgeber.
«Ich bin froh, dass wir noch einen Punkt geholt haben. Ich bin mir sicher, dass der noch wichtig wird», sagte SC-Trainer Ralf Kettemann. Defensivspieler Felix Götze haderte dagegen mit der verpassten Sieg-Chance: «Braunschweig hat uns viel Platz gelassen. Wir hätten das Spiel gewinnen müssen, hatten genug Chancen.»
von | 08.03.2026 | DPA
Hannover (dpa) – Hannover 96 hat im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga einen herben Dämpfer hinnehmen müssen. Das beste Team der Rückrunde verlor im eigenen Stadion gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth mit 1:2 (0:1) und verpasste damit den Sprung auf den vierten Tabellenplatz.
Der Rückstand auf die SV Elversberg auf dem Relegationsrang drei beträgt nun drei Punkte. Die Gäste aus dem Frankenland verließen durch den überraschenden, aber nicht unverdienten Sieg den letzten Tabellenplatz.
96-Steigerung zu wenig
Vor 35.600 Zuschauern zeigte Hannover vor allem im ersten Durchgang eine schwache Leistung. Die Gäste waren spielbestimmend und gingen durch Noel Futkeu (33. Minute) verdient in Führung. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich 96 und kam durch Maurice Neubauer schnell zum Ausgleich (50.). Doch Fürth zeigte sich nicht geschockt und schlug postwendend zurück. Der frühere Hannoveraner Jannik Dehm traf traumhaft zum 2:1 (57.).
Danach drängten die Gastgeber auf den erneuten Ausgleich, vergaben aber beste Chancen. Die größte Gelegenheit zum 2:2 hatte Enzo Leopold, der mit einem schwach geschossenen Elfmeter aber an Fürths Torwart Silas Prüfrock scheiterte. So kassierte Hannover eine unnötige Niederlage, nachdem es schon vor zwei Wochen daheim gegen Kellerkind Dresden nur zu einem 0:0 gereicht hatte.
von | 08.03.2026 | DPA
Münster (dpa) – Der späte 2:1 (1:0)-Sieg von Hertha BSC im Zweitliga-Spiel bei Preußen Münster ist von einem kuriosen Zwischenfall überschattet worden. Kurz vor der Pause wollte Schiedsrichter Felix Bickel auf dem Monitor am Spielfeldrand ein Strafraum-Foul des Münsteraners Niko Koulis am Berliner Michael Cuisance überprüfen – allerdings blieb der Bildschirm schwarz. Der Grund für den Ausfall: Ein Vermummter soll kurz zuvor aus dem Preußen-Fanblock in den Innenraum zum Monitor gelaufen sein, um dort den Stecker zu ziehen, wie nach Berichten von Sky und der «Bild» auch Preußen Münster selbst auf seiner Website berichtete.
Bickel wartete etwa eine Minute darauf, dass der Monitor wieder angeht, musste die Entscheidung aber letztlich der Video-Assistentin Katrin Rafalski im Kölner Keller überlassen. Der Schiedsrichter erklärte über die Stadionlautsprecher: «Wir haben ein mögliches Foulspiel im Strafraum überprüft und meine Kollegin Katrin Rafalski hat festgestellt, dass die Nummer 24 von Münster den Spieler Cuisance klar am Schienbein trifft im Strafraum – deswegen lautet meine finale Entscheidung: Strafstoß.»
Banner im Fanblock: «Dem VAR den Stecker ziehen»
Im Münsteraner Fanblock war kurz ein Banner hochgehalten worden, auf dem zu lesen war: «Dem VAR den Stecker ziehen.»
Den Elfmeter verwandelte Fabian Reese zur 1:0-Pausenführung für Hertha (45.+4). Kurz nach der Pause glich Jannis Heuer für Münster zum 1:1 aus (46.). In der dritten Minute der Nachspielzeit erzielte der eingewechselte Marten Winkler per Konter noch den späten 2:1-Siegtreffer für die Gäste.
Preußen-Kapitän hat «volles Verständnis» für Stecker-Aktion
«Unsere Fans sind legendär, die machen alles für die Unterstützung», sagte bei Sky der Preußen-Kapitän Jorrit Hendrix zu dem Vorfall. «Dass ein Fan den Stecker rauszieht, finde ich eigentlich gut, denn die Fans wollen auch unbedingt, dass wir gewinnen, und wenn sie dafür alles machen, dann habe ich dafür volles Verständnis.»
Weniger Verständnis zeigte der Verein selbst. «Der SC Preußen Münster bedauert den Vorfall und wird alles daransetzen, den oder die Täter zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem wurden umgehend Maßnahmen ergriffen, um vergleichbare Vorfälle für die Zukunft auszuschließen. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um eine geplante Aktion», hieß es auf der Preußen-Website.
Ein gewisses Mitgefühl mit den Preußen hatte Berlins Trainer Stefan Leitl. «Ich wünsche mir, dass die Konsequenzen für die Münsteraner nicht zu groß sind», sagte er bei Sky, meinte aber auch: «Das geht einfach nicht, man stelle sich nur vor, es müssen weitere Entscheidungen getroffen werden und du hast gar kein Fernsehbild; das ist jetzt eine Technik, die zum Fußball gehört, man kann sie mögen oder auch nicht – aber man muss dafür sorgen, dass solche Dinge nicht passieren.»
DFB Schiri GmbH: So ist der Ablauf bei ausgefallenem Monitor
«In achteinhalb Jahren Videobeweis kann ich mich nicht erinnern, dass wir so eine Situation schon mal hatten», sagte Alexander Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiri GmbH. Feuerherdt lobte Bickels Vorgehensweise. Wenn ein Monitor bei einer VAR-Überprüfung nicht genutzt werden könne, sei es protokollarisch so vorgesehen, dass die Schiedsrichter die Empfehlung der Video-Assistenten zur Entscheidung entgegennehmen und dann umsetzen – so wie es Bickel tat und hinterher auch über Stadionlautsprecher transparent machte. «In einer für ihn sicherlich nicht angenehmen Situation ist er sehr ruhig und sicher geblieben», sagte Feuerherdt.
von | 08.03.2026 | DPA
Köln (dpa) – Dem Kölner Stadionsprecher Michael Trippel drohen sowohl vom 1. FC Köln als auch dem Deutschen Fußball-Bund Konsequenzen wegen seiner Schiedsrichterschelte über die Stadionmikrofone beim 1:2 gegen Borussia Dortmund. Obwohl Trippel den Vorfall vom Samstagabend selbst als mit den Vereins-Verantwortlichen als «geklärt» ansieht, kündigte FC-Clubchef Philipp Türoff eine interne Aufarbeitung des Falls an.
«Wir werden am Montag noch einmal intern über den Vorfall sprechen. Es muss und wird die Einsicht da sein, dass das so nicht wieder vorkommt», sagte Türoff am Sonntag. Trippel bat zuvor für seinen Ausraster am Mikrofon um Verzeihung. «Ich entschuldige mich bei denjenigen, die sich auf dem Schlips getreten gefühlt haben. Die Aussagen tun mir leid», zitierte der «Kölner Stadt-Anzeiger» den Stadionsprecher. «Meine Sätze kamen aus der Emotion heraus und über den Frust über den VAR, der uns in dieser Saison wiederholt benachteiligt hat.»
Stadionsprecher pöbelt gegen Schiedsrichterteam
Trippel hatte nach Spielende wegen eines nicht geahndeten Handspiels des Dortmunders Yan Couto im eigenen Strafraum die Kölner Fans wütend gemacht. «In der 95. Minute hat es ein klares Handspiel eines Dortmunders im Strafraum gegeben und das guckt sich noch nicht einmal einer an», hatte Trippel in die Mikrofone gerufen.
Dass Siebert in der Nachspielzeit der ersten Hälfte Jahmai Simpson-Pusey nach Ansicht der Videobilder die Rote Karte wegen groben Foulspiels zeigte, hatte Trippel ebenfalls über die Mikrofone mit «Pfui. Widerlich» kommentiert.
Dafür gab es am Sonntag bereits Kritik von der Organisation der Schiedsrichter im deutschen Profifußball. Trippels Verhalten sei «inakzeptabel», zitierte die «Sportschau» die DFB Schiri GmbH. «Unabhängig davon, ob eine Entscheidung des Schiedsrichters richtig, strittig oder falsch ist, kann und darf es nicht sein, dass ein Stadionsprecher sie negativ kommentiert und das Publikum so gegen den Unparteiischen aufbringt», hieß es weiter.
FC-Chef Türoff sagte: «Wir sind uns einig, dass solche öffentlichen Aussagen, solche Ausbrüche am Stadionmikrofon nicht in Ordnung sind. Es gibt ein Regelwerk des DFB für Stadionsprecher – und diese Regeln wurden in dem Fall missachtet.» Sportchef Thomas Kessler hatte das Verhalten bereits nach Spielende deutlich kritisiert.
Medien spekulierten über eine clubinterne Strafe, auch vom DFB könnten Sanktionen folgen. «Mit den Verantwortlichen des FC ist meines Erachtens alles geklärt, noch nach dem Spiel haben Vorstand und Geschäftsführung mit mir gesprochen», befand Trippel, dessen Verdienste für den Club Türoff auch erwähnte.
DFB Schiri GmbH gesteht strafbares Handspiel ein
Zumindest bei der Handspiel-Szene bekannte die DFB Schiri GmbH auch, dass es sich um strafbares Handspiel gehandelt habe, das mit einem Strafstoß für die Kölner hätte geahndet werden müssen.
von | 08.03.2026 | DPA
Köln (dpa) – Bei Borussia Dortmund versuchen sie alles, um die Spannung irgendwie hochzuhalten. Wie schwierig das bei elf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München und angesichts des vorzeitigen Scheiterns in der Champions League und im DFB-Pokal ist, wurde beim 2:1-Zittersieg beim eine Halbzeit lang in Unterzahl spielenden 1. FC Köln allzu deutlich. «Wir werden das sicherlich aufarbeiten müssen», schimpfte Trainer Niko Kovac. «Das kann nicht unser Anspruch sein.»
Kovac ist kein Trainer, der öffentlich hart mit seinen Spielern ins Gericht geht. Im extrem kritischen BVB-Umfeld stellte sich der 54-Jährige in den vergangenen Monaten nach Rückschlägen immer wieder vor seine Mannschaft und versuchte, aufkommende Kritik als unsachlich zurückzuweisen. Am Samstagabend aber hatte auch er genug. Zusammen mit Sportdirektor Sebastian Kehl faltete er seine Spieler noch in der Kabine zusammen.
Kabinen-Standpauke für die BVB-Profis
«Wir haben sehr intensiv diskutiert mit der Mannschaft», berichtete Kehl. Gegen zehn abstiegsbedrohte Kölner hätte der BVB eine 2:0-Führung beinahe noch verspielt. Nach dem späten Anschlusstreffer von Jakub Kaminski (88. Minute) übersah Schiedsrichter Daniel Siebert in der Nachspielzeit ein klares Handspiel von Dortmunds Yan Couto. Auch der Videoschiedsrichter griff nicht ein, was zu wütenden Reaktionen des FC führte.
«Ich kann die Reaktionen durchaus verstehen», bekannte Sportchef Lars Ricken bei Sky und Kehl meinte: «Ich kann nicht verhehlen, dass wir uns auch aufgeregt hätten.» Viel hätte nicht gefehlt, und der Vorsprung von aktuell acht Zählern auf Rang fünf wäre geschmolzen. Die Nicht-Qualifikation für die Champions League wäre für den börsennotierten Club eine finanzielle Katastrophe. Durch das nicht eingeplante Scheitern in den Achtelfinal-Playoffs steuern die Dortmunder bereits auf einen Fehlbetrag im laufenden Geschäftsjahr in Höhe von bis zu 22 Millionen Euro zu.
Kovac konnte sich zuletzt immer auf die deutlich stabilere Bundesligasaison im Vergleich zum Vorjahr berufen, als er den taumelnden Revierriesen nach seiner Amtsübernahme im Februar 2025 noch irgendwie in die Champions League gehievt hatte. Das Scheitern dort bei Atalanta Bergamo veränderte aber auch seine Position. In der Geschäftsführung herrscht trotz der guten Bundesliga-Saison mit nur zwei Niederlagen bislang – beide gegen den FC Bayern – Frust.
Ricken-Ankündigung weckt Erinnerungen
«Eine ausführliche und intensive Analyse folgt nach dem letzten Spieltag», kündigte Sportchef Ricken in der vergangenen Wochen in einem Interview der Funke-Mediengruppe an. Damit weckte er Erinnerungen an die Saison-Nachlese 2022, als der damalige Trainer Marco Rose trotz Platz zwei in der Liga für viele überraschend gehen musste. Auch damals war der BVB unter ihm in der Champions League und im DFB-Pokal zu früh gescheitert.
Auch Sportdirektor Kehl wird unangenehme Fragen beantworten müssen. Der finanzielle Aufwand und der Ertrag der Sommer-Zugänge im vergangenen Jahr für immerhin rund 100 Millionen Euro steht in keinem Verhältnis. Zuletzt gab es zudem Berichte, dass auch die Verlängerung von Rickens 2027 auslaufenden Vertrag kein Selbstläufer wird. Angesprochen darauf reagierte der frühere BVB-Kapitän am Samstagabend kurz angebunden. Das sei jetzt kein Thema, «wir sind jetzt im Arbeitsmodus.»
Brandt-Aus nach sieben Jahren
Die Kader-Umgestaltung ist im vollen Gange. Dies bekam als Erster der langjährige Dortmunder Profi Julian Brandt zu spüren. Dessen auslaufender Vertrag wird – durchaus etwas überraschend – nicht verlängert. «Das kann eine Chance sein für beide», befand Kehl dazu.
Die größte Herausforderung bleibt aber der Kampf gegen die Gleichgültigkeit in den letzten neun Saisonspielen. «Das ist die Hauptaufgabe auch aller Verantwortlichen, genau das nicht zuzulassen», gestand Kehl unter dem Eindruck des Zittersieges in Köln.