Mönchengladbach (dpa) – Da staunte selbst der Gegner. Das Traumtor von Kevin Stöger beim 2:0 (1:0) von Borussia Mönchengladbach gegen den FC St. Pauli ließ auch die Gäste nicht kalt. «Wunderschön von Kevin, muss man ganz ehrlich sagen. Den trifft er überragend», lobte Pauli-Coach Alexander Blessin das wundervolle Tor des Tages.
Bis zum 26. Spieltag dauerte es, ehe Stöger sein erstes Saisontor für die Borussia erzielte. Der technisch hoch veranlagte Österreicher hat es am Niederrhein nicht leicht. «Er wird, glaube ich, hier auch sehr kritisch gesehen», sagte Borussen-Coach Eugen Polanski. Dafür gibt es Gründe. Stögers Spiel ist manchmal phlegmatisch, manchmal schlampig. Auch am Freitag fiel er in seinem 200. Bundesligaspiel zunächst mehr durch Fehlpässe und unglückliche Aktionen auf.
Dann kam die 37. Minute. Paulis Eric Smith verhielt sich recht ungeschickt im Zweikampf mit Gladbachs Yannik Engelhardt und Stöger trat zum Freistoß aus 25 Metern an. «Letzte Woche habe ich noch mit unserem Co-Trainer Guido Streichsbier Freistöße geübt. Da waren die bodenlos, wirklich Katastrophe», erzählte Stöger am Sky-Mikrofon. «Doch heute habe ich an mich geglaubt.»
Es folgte ein Kunstwerk. Stöger traf den Ball perfekt. Der flog mit Zug und Effet unhaltbar für Gäste-Keeper Nikola Vasilj in den vom Schützen aus gesehenen linken Winkel. Es war der erste direkt verwandelte Freistoß eines Borussen seit Lars Stindl im Dezember 2020 bei Eintracht Frankfurt getroffen hatte.
Stöger ändert Social-Media-Aktivitäten
«Er steht dafür, dass es nie zu Ende ist», sagte Gladbach-Sportchef Rouven Schröder. Denn Stöger galt im Winter als Verkaufskandidat. Der 32-Jährige aber wollte sich durchbeißen und tat es. Seit einigen Wochen zählt er bei Borussia wieder zum Stamm. Trainer Eugen Polanski belohnte ihn nach eigener Aussage für seinen Willen und Eifer.
«Jeder kann bestätigen, dass ich von Woche zu Woche immer Gas gebe», meinte Stöger selbst. Grundlage dafür war nach seiner Darstellung eine kleine Veränderung abseits des Platzes: «Ich habe ein gutes Umfeld, was mir extrem guttut. Ich habe mich von Instagram abgemeldet, habe versucht, die ganze Energie auf den Platz zu bringen.»
Mönchengladbach (dpa) – Ein Traumtor von Kevin Stöger hat den dringend benötigen Heimsieg für Borussia Mönchengladbach im Abstiegsduell gegen den direkten Konkurrenten FC St. Pauli eingeleitet. Das 2:0 (1:0) am Freitagabend zum Auftakt des 26. Spieltages der Fußball-Bundesliga hat zunächst auch Druck von Gladbach-Trainer Eugen Polanski vor dem brisanten Rheinderby beim 1. FC Köln genommen. Nach dem wunderschönen Freistoßtor von Stöger (37. Minute) traf Franck Honorat (62.) fünf Minuten nach seiner Einwechslung.
Durch den zweiten Heimsieg nacheinander vergrößerten die Borussen den Abstand auf St. Pauli auf dem Relegationsrang 16 wieder auf vier Zähler. Schon in der Hinserie war ein Erfolg am Millerntor extrem wichtig für die Gladbacher. Am 9. Spieltag war beim 4:0 auf St. Pauli der erste Saisonsieg gelungen und Auftakt einer Punkteserie.
Auch diesmal war der Druck groß. Die Borussia war zuletzt vor 15 Jahren in einer ähnlich prekären Situation, als unter dem damaligen Trainer Lucien Favre in der Relegation gegen Bochum den Klassenverbleib gelang.
Schwaches Niveau mit einem Traumtor als Highlight
Die Gladbacher schienen mit dem Druck indes weitestgehend gut umgehen zu können und waren das aktivere und zunächst bessere Team. Allerdings zeigte sich schnell das alte Manko des Toreschießens. Die Angriffsbemühungen der Borussia aus dem Spiel heraus waren wie so oft zu eindimensional. Das Füttern von Sturmspitze Haris Tabakovic mit hohen Bällen funktionierte nicht und das Kombinationsspiel in die Spitze war viel zu fehlerbehaftet.
Von St. Pauli war lange Zeit gar nichts zu sehen – bis zur 27. Minute, als Gladbach-Keeper Moritz Nicolas sein Team gegen Joel Fujita sogar vor dem Rückstand bewahrte, der zu dem Zeitpunkt allerdings auch zu viel des Guten gewesen wäre. Die Angriffsbemühungen der Gäste, die in den drei Spielen zuvor ungeschlagen geblieben waren, waren bis dahin kaum existent.
Die gegentorlose Zeit für die Kiezkicker ging nach 245 Minuten zu Ende – bezeichnenderweise durch einen ruhenden Ball. Der bis dahin schwache Stöger zirkelte einen Freistoß aus rund 25 Metern wunderschön und unhaltbar für St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj in den Winkel. Zum ersten Mal seit fünf Jahren war den Borussen wieder ein direktes Freistoßtor gelungen – und was für eins.
Am Ende hätte der Sieg noch höher ausfallen können
Es blieb indes der einzige Leckerbissen in einem ansonsten ganz schwachen Bundesligaspiel, in dem beide Mannschaften kaum mehr als drei Pässe hintereinander an den eigenen Mann brachten. Etwas Glück hatten die Gladbacher beim 2:0. Honorats trockener Abschluss wurde von Adam Dzwigala noch leicht abgefälscht, so dass Vasilj erneut nicht parieren konnte. In der 78. Minute vergab Honorat alleine auf den Pauli-Keeper zulaufend noch das 3:0, als er nur der Pfosten traf.
Fürth (dpa) – Die SpVgg Greuther Fürth bleibt der Favoritenschreck in der 2. Fußball-Bundesliga und hat der SV Elversberg den Sprung an die Tabellenspitze vermasselt. Die zuletzt so formstarken Franken feierten ein 2:0 (1:0) und kletterten dank zehn Punkten aus vier Spielen aus der Abstiegszone. Kapitän Branimir Hrgota traf in der 42. Minute, Lukas Reich machte in der Nachspielzeit alles klar. Fürth hatte schon Schalke und Hannover Punkte abgenommen.
Die Elversberger, die zuletzt viermal nacheinander nicht verloren hatten, bleiben dagegen vorerst auf Rang drei. Das Team von Trainer Vincent Wagner, das in der zweiten Halbzeit in Fürth auch einen Strafstoß vergab, kann am Wochenende noch von Paderborn und Hannover im Klassement überholt werden.
Hrgota krönt Comeback mit Siegtor – Petkov scheitert vom Punkt
Die Gäste aus dem Saarland kamen besser ins Spiel, David Mokwa hatte früh die Führung auf dem Fuß (5. Minute). Dann aber wurde Fürth stärker und gefährlicher. Der nach einem Infekt und einem Spiel Pause zurückgekehrte Hrgota ließ die Hausherren mit einem Schuss von der Strafraumgrenze jubeln.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Elversberg den Druck, erneut Mokwa (51.) und Immanuel Pherai (58.) zielten knapp vorbei. Die größte Chance auf den Ausgleich vergab dann Lukas Petkov, als er einen Elfmeter über das Tor schoss. Fürth-Keeper Silas Prüfrock hatte Maximilian Rohr zuvor im Strafraum gefoult – und hielt dann in der Schlussphase mit guten Paraden den Fürther Sieg fest.
Magdeburg (dpa) – Der SV Darmstadt 98 hat den vorübergehenden Sprung an die Tabellenspitze der 2. Fußball-Bundesliga verpasst. Die Lilien kamen beim Tabellenschlusslicht 1. FC Magdeburg nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus. Fabian Nürnberger hatte per Eigentor nach 62 Minuten die Gastgeber vor 18.488 Zuschauern in Führung gebracht. Fünf Minuten später bügelte er den Fauxpas aus und traf zum Ausgleich. Darmstadt, das letztmals im November des vergangenen Jahres auswärts gewonnen hat, bleibt Tabellenzweiter, Magdeburg Letzter.
Die Magdeburger mussten auf rund 6.500 Zuschauer verzichten, nachdem der Club wegen der schweren Ausschreitungen im Spiel gegen Dynamo Dresden zu einem Teilausschluss und der Sperrung der Nordtribüne verurteilt worden waren.
Darmstadt erst nach dem Rückstand offensiv
Die erste Halbzeit stand im Zeichen der Magdeburger, die klar dominierend waren und drei große Chancen hatten, die Darmstadt-Torhüter Marcel Schuhen zunichtemachte. Vom Tabellenzweiten kam nach vorn wenig. Die Darmstädter waren vielmehr um Spielkontrolle und die Organisation ihrer Defensive bemüht. Es gab vor der Pause keine einzige Chance für die Gäste.
Auch nach dem Seitenwechsel liefen die Gastgeber unentwegt an, die Chancen häuften sich. Allein mit der Konzentration beim Abschluss haperte es. Erst nach 66 Minuten musste FCM-Torhüter Dominik Reimann erstmals bei einem Schuss von Luca Marseiler eingreifen. Der Ausgleich setzte bei den Lilien neue Kräfte frei, die nun offensiver agierten
Köln (dpa) – Andreas Rettig sieht in der anstehenden WM eine wirtschaftliche Herausforderung für den Deutschen Fußball-Bund. «Preisgelder in Dollar und damit Wechselkursrisiken, große Entfernungen und ein längeres Turnier machen es anspruchsvoll, ebenso die steuerrechtlichen Fragen», sagte der Geschäftsführer Sport dem «Kölner Stadtanzeiger». «Ohne sportlichen Erfolg wird es für viele Verbände schnell ein Verlustgeschäft.»
Die FIFA hatte allerdings Rekord-Prämien für das Turnier angekündigt. 655 Millionen Dollar fließen in die nach Endplatzierungen vergebenen Erfolgsprämien. Laut FIFA handele es sich um eine Prämien-Steigerung im Vergleich zu 2022 um 50 Prozent. Jede Mannschaft erhält 1,5 Millionen Dollar für die Vorbereitungskosten – ein Novum. Die schlechtesten WM-Teilnehmer der Plätze 33 bis 48 erhalten neun Millionen Dollar aus dem Prämientopf. Der Weltmeister bekommt 50 Millionen Dollar.
Rettig: «Im Dauerstressmodus»
Mit kritischen Statements zur anstehenden WM (11. Juni bis 19. Juli) in den USA, Mexiko und Kanada hält sich Rettig zurück – und begründet dies mit seinem Amt. «Als Geschäftsführer Sport habe ich zudem eine andere Expertise und einen anderen Auftrag, als öffentlich politische Analysen vorzunehmen», sagte der 62-Jährige. Er sei Teil einer Organisation, die verantwortlich handeln und das Beste für viele verschiedene Gruppen erreichen müsse.
Vor der WM in Katar war Rettig aufgrund der Menschenrechtslage in dem Emirat ein großer öffentlicher Kritiker des Turniers. Vorfreude auf die anstehende WM ist bei Rettig vorhanden, allerdings bedrücke auch die weltpolitische Lage. «Wir sind gefühlt im Dauerstressmodus», sagte der Funktionär.
Bei Russland contra Infantino
Dagegen schließt Rettig Spiele einer deutschen Nationalmannschaft gegen Russland vor dem Ende des Ukraine-Kriegs aus. Er könne sich «nicht vorstellen, freiwillig gegen russische Mannschaften zu spielen – auch nicht im Nachwuchsbereich. Die Teilnahme russischer oder belarussischer Teams an internationalen Wettbewerben mit Nationalfahnen ist für mich nicht nachvollziehbar.»
Gianni Infantino, Präsident des Weltverbands FIFA, hatte die Möglichkeit russischer Teams zu internationalen Wettbewerben in Erwägung gezogen. Rettig betonte, man müsse «weiterhin unsere Möglichkeiten wahrnehmen, Verantwortung zu übernehmen.»
Perth (dpa) – Die Fußballerinnen Australiens haben sich als erste Mannschaft für die Weltmeisterschaft 2027 qualifiziert. Der Halbfinalist von 2023 zog durch ein 2:1 gegen Nordkorea ins Halbfinale des Asien Cups ein, was zur WM-Teilnahme genügt.
Das Turnier findet im kommenden Jahr vom 24. Juni bis 25. Juli in Brasilien statt. Gesetzt ist die Heimmannschaft. Das deutsche Team ist mit Siegen gegen Slowenien und Norwegen in die Qualifikation gestartet und führt die Tabelle der Gruppe A4 an.
Gelsenkirchen (dpa) – Loris Karius kehrt nach drei Spielen Pause wegen Rückenbeschwerden ins Tor des Fußball-Zweitligisten Schalke 04 zurück. Der 32-Jährige soll im Topspiel gegen Hannover 96 am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) wieder in der Startelf stehen. «Loris ist wieder fit und fühlt sich zu 100 Prozent bereit», sagte der Trainer Miron Muslic heute auf einer Pressekonferenz. «Dementsprechend wird er in die Startelf zurückkehren.»
Zuletzt hatte Ersatzkeeper Kevin Müller das Schalker Tor gehütet. Beim jüngsten 1:0-Sieg gegen Bielefeld blieben die Königsblauen erstmals seit sechs Spielen ohne Gegentor. «Kevin Müller hat seine Sache gut gemacht – aber Loris ist unser Stammtorwart», sagte Sportdirektor Youri Mulder im «Kicker».
Dzekos Einsatz nach Trainingspause nicht gefährdet
Torjäger Edin Dzeko, mit fünf Toren und drei Vorlagen binnen sieben Partien Schalkes Spieler der Stunde, hatte wegen Rückenproblemen unter der Woche kurz mit dem Training aussetzen müssen. «Edin hat aber am Donnerstag und Freitag wieder alles mitgemacht, er ist fit und gesund», sagte Muslic erleichtert.
Fünf Punkte Vorsprung hat der Tabellenführer Schalke vor dem Fünften Hannover. Am darauffolgenden Samstag gastieren die Gelsenkirchener beim Zweiten Darmstadt 98. Auch gegen die Verfolger SV Elversberg und SC Paderborn müssen die Schalker im April noch spielen – jeweils auswärts.
«Bei mir kribbelt es ständig», witzelte Muslic auf eine Frage zum anstehenden Programm. Er spüre vor jedem Spiel «Vorfreude und Anspannung».
Frankfurt/Main (dpa) – Deniz Aytekin hat vor seinem Jubiläumsspiel in der Fußball-Bundesliga den zunehmend rohen Umgang mit Schiedsrichtern und Video-Assistenten in der Öffentlichkeit kritisiert und zu mehr Toleranz aufgerufen. Vor allem junge Referees hätten es schwer, «diese teilweise menschenverachtenden Äußerungen auszuhalten», sagte Aytekin in einem Interview der «Frankfurter Rundschau».
Der 47-Jährige, der am Sonntag beim Spiel VfB Stuttgart gegen RB Leipzig seinen 250. Bundesliga-Einsatz hat und im Sommer seine aktive Laufbahn beendet, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. «Man braucht wahnsinnig viel innere Stabilität, um mit all dem Hass, den Beleidigungen und Drohungen umzugehen», sagte Aytekin.
Seiner Ansicht nach eskaliere die Stimmung gegen die Schiedsrichter und Video-Assistenten gefühlt an jedem Wochenende. «Das ist eine sehr unschöne Entwicklung», sagte der frühere FIFA-Referee. Seine Erklärung dafür: «Die Schwelle der Akzeptanz von Entscheidungen ist extrem angewachsen. Es wird eine nahezu hundertprozentige Trefferquote erwartet. Die aber kann auch mit Hilfe der Technik nicht geliefert werden.»
Aytekin fordert mehr Toleranz
Nach Aytekins Ansicht würden viele Menschen den technischen Fortschritt nicht akzeptieren. «Das ist absurd», sagte er. Zudem werde jede Fehlentscheidung oder auch diskutable Entscheidung im Graubereich «mit aller Vehemenz debattiert», kritisierte er. «Und wenn es den VAR betrifft, rotten sich ganz gern alle zusammen und machen Stimmung – mit entsprechender Berichterstattung. Diese Dynamik entlädt sich dann entsprechend.»
Aytekin mahnte daher «eine Kultur der sachlichen Diskussion» an und nahm dabei auch die Trainer in die Pflicht. «Es ist interessant zu beobachten, dass Trainer stets wissen lassen, junge Spieler dürften Fehler machen. Warum wird eine solche Fehlertoleranz jungen Schiedsrichtern nicht zugestanden? Warum wird da gleich die verbale Keule ausgepackt?», fragte er.
«Da sind wir das schwächste Glied»
Eine mögliche Antwort lieferte der erfahrene Unparteiische gleich mit: «Je größer der Druck und die emotionale Belastung zu spüren sind, desto mehr wird jemand gesucht, auf den dieser Druck abgeschoben werden kann. Da sind wir das schwächste Glied.»
Auch wenn im Zusammenspiel von Schiedsrichtern und Video-Assistenten nicht alles perfekt laufe, warb Aytekin für mehr Respekt und Verständnis: «Ich würde etwas mehr Reflexion darüber, wie viele komplexe Situationen vernünftig aufgelöst werden, sehr begrüßen.»