Stuttgart (dpa) – Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sich nach dem Coming-out des Nachwuchstrainers des FC St. Pauli, Christian Dobrick, für einen offenen Umgang mit Homosexualität im Fußball starkgemacht. «Ich finde es sehr schade, dass wir immer noch darüber diskutieren müssen», sagte Nagelsmann in einem Interview bei RTL/ntv. «Schade, dass Sie mir diese Frage stellen müssen.» Homosexualität sei für ihn etwas ganz Normales.
In der Gesellschaft sei das Thema schon deutlich verankerter, sagte der 38-jährige Nagelsmann. «Im Fußball dauert das leider wahrscheinlich noch ein bisschen. Das finde ich nicht richtig.» Er selbst habe homosexuelle Freunde im eigenen Freundeskreis und wisse, wie es sei, wenn man lange Zeit in seinem Leben das Gefühl habe, nicht darüber sprechen oder es ausleben zu können. «Das ist eine Qual.»
Nagelsmann lobt Dobricks Mut
Der Bundestrainer lobte das Coming-out von Dobrick. «Ich finde es erstmal gut, dass er den Mut zusammengefasst hat, es zu tun. Es ist für ihn eine große Befreiung.» Vor kurzem hatte St. Paulis U19-Trainer seine Homosexualität öffentlich gemacht und das mit Kritik am männlichen Spitzenfußball verknüpft. «Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische», sagte der 29 Jahre alte Nachwuchs-Coach des Hamburger Bundesligisten in Interviews des «Stern» und von RTL.
Homosexualität ist im Profifußball der Männer noch immer ein Tabuthema, obwohl vor allem Fanvertreter für einen offeneren Umgang werben. In den höchsten drei deutschen Ligen gab es bislang kein Coming-out eines aktiven Profis. Im Fußball der Frauen hingegen spielt die sexuelle Orientierung einer Spielerin schon lange keine Rolle mehr.