Köln (dpa) – Andreas Rettig sieht in der anstehenden WM eine wirtschaftliche Herausforderung für den Deutschen Fußball-Bund. «Preisgelder in Dollar und damit Wechselkursrisiken, große Entfernungen und ein längeres Turnier machen es anspruchsvoll, ebenso die steuerrechtlichen Fragen», sagte der Geschäftsführer Sport dem «Kölner Stadtanzeiger». «Ohne sportlichen Erfolg wird es für viele Verbände schnell ein Verlustgeschäft.»

Die FIFA hatte allerdings Rekord-Prämien für das Turnier angekündigt. 655 Millionen Dollar fließen in die nach Endplatzierungen vergebenen Erfolgsprämien. Laut FIFA handele es sich um eine Prämien-Steigerung im Vergleich zu 2022 um 50 Prozent. Jede Mannschaft erhält 1,5 Millionen Dollar für die Vorbereitungskosten – ein Novum. Die schlechtesten WM-Teilnehmer der Plätze 33 bis 48 erhalten neun Millionen Dollar aus dem Prämientopf. Der Weltmeister bekommt 50 Millionen Dollar.

Rettig: «Im Dauerstressmodus»

Mit kritischen Statements zur anstehenden WM (11. Juni bis 19. Juli) in den USA, Mexiko und Kanada hält sich Rettig zurück – und begründet dies mit seinem Amt. «Als Geschäftsführer Sport habe ich zudem eine andere Expertise und einen anderen Auftrag, als öffentlich politische Analysen vorzunehmen», sagte der 62-Jährige. Er sei Teil einer Organisation, die verantwortlich handeln und das Beste für viele verschiedene Gruppen erreichen müsse.

Vor der WM in Katar war Rettig aufgrund der Menschenrechtslage in dem Emirat ein großer öffentlicher Kritiker des Turniers. Vorfreude auf die anstehende WM ist bei Rettig vorhanden, allerdings bedrücke auch die weltpolitische Lage. «Wir sind gefühlt im Dauerstressmodus», sagte der Funktionär.

Bei Russland contra Infantino

Dagegen schließt Rettig Spiele einer deutschen Nationalmannschaft gegen Russland vor dem Ende des Ukraine-Kriegs aus. Er könne sich «nicht vorstellen, freiwillig gegen russische Mannschaften zu spielen – auch nicht im Nachwuchsbereich. Die Teilnahme russischer oder belarussischer Teams an internationalen Wettbewerben mit Nationalfahnen ist für mich nicht nachvollziehbar.»

Gianni Infantino, Präsident des Weltverbands FIFA, hatte die Möglichkeit russischer Teams zu internationalen Wettbewerben in Erwägung gezogen. Rettig betonte, man müsse «weiterhin unsere Möglichkeiten wahrnehmen, Verantwortung zu übernehmen.»