München (dpa) – Für Manuel Neuer begann der Monat, in dem er 40 wird, mit großem Frust. Der Bayern-Kapitän fällt nach dem dritten Muskelfaserriss seit Mitte Dezember ein weiteres Mal aus. Kein Achtelfinal-Hinspiel am Dienstag in der Champions League bei Atalanta Bergamo. Und ziemlich sicher auch kein Rückspiel eine Woche später in der Allianz Arena. Und womöglich sogar gar kein Neuer-Einsatz mehr vor der Länderspielpause und seinem runden Geburtstag am 27. März. 

«Dass Manuel nicht glücklich ist, das kann ich mir vorstellen», sagte Sportvorstand Max Eberl schon vor der Diagnose des erneuten Faserrisses in der Wade, die am Tag nach dem 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach kam. «Er wird 40 im März. Und deswegen sind wir froh, dass wir mit Jonas (Urbig) und mit Ulle (Sven Ulreich) so gute Torhüter dahinter haben, dass du in der Halbzeit wechseln kannst und nichts verändert sich im Spiel», sagte Eberl. 

Wie im Vorjahr: Achtelfinale mit Urbig im Tor

Wie beim 3:0 in Bremen im Februar musste Vertreter Jonas Urbig auch gegen Gladbach zur Pause einspringen. Und wie im Vorjahr ist der Neuer-Ersatz auch in dieser Saison im Achtelfinale von Europas Fußball-Königsklasse gefordert. 2025 musste Neuer im Hinspiel gegen Leverkusen nach knapp einer Stunde raus; übrigens auch mit einem Muskelfaserriss. Urbig präsentierte sich danach beim 3:0 und im Rückspiel in Leverkusen (2:0) als sicherer Rückhalt.

«Ich hatte jetzt erstmal nur das Spiel gegen Gladbach im Kopf. Ich habe mich noch gar nicht mit Bergamo befasst», sagte Urbig vor dem persönlich nächsten Champions-League-Nervenkitzel. Der 22-Jährige, der im Winter 2025 vom damaligen Zweitligisten 1. FC Köln nach München kam, wirbt durch die reichlichen Einsätze im Tor für eine tragende Rolle in der Ära nach Neuer.

Das ist der Zeitplan für die Neuer-Zukunft

Der offizielle Zeitplan ist, dass der FC Bayern und Neuer nach dessen 40. Geburtstag eine Entscheidung über die Zukunft treffen wollen. Man werde «in aller Gelassenheit» miteinander sprechen, sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen dieser Tage, und schauen, «was rauskommt». 

Neben dem fortgeschrittenen Alter werden die wiederholten Blessuren das Kalkül beeinflussen. Nach seinen wiederholten Absagen für ein DFB-Comeback im WM-Jahr sind Neuer die Spiele auf Europas Top-Bühne besonders wichtig. In einem möglichen Viertelfinale gegen Real Madrid oder Manchester City möchte der Weltmeister von 2014 unbedingt im Tor stehen. Aber erstmal muss das Team mit Stellvertreter Urbig den BVB-Schrecken Atalanta meistern.

Während Neuer am Montag nicht als Edelfan mit nach Norditalien fliegen dürfte, soll Torjäger Harry Kane nach seiner Wadenprellung wieder an Bord sein. Der Engländer wird in Bergamo wieder in der Startelf erwartet. Beim Bundesliga-Klassiker gegen Gladbach freute sich Kane in einer Arena-Loge, dass Jamal Musiala ihn cool als Elfmeter-Torschütze vertreten konnte. Es war Musialas erstes Liga-Tor seit fast einem Jahr. Den ersten Treffer nach der schweren Beinverletzung hatte Musiala im Januar beim Sieg in Eindhoven erzielt.

Das nervt Musiala noch

«Mit solchen Spielen komme ich wieder in den Rhythmus, deshalb bin ich sehr glücklich», sagte Musiala, der sich im vergangenen Sommer bei der Club-WM einen Bruch des Wadenbeins und eine Verrenkung des Sprunggelenks zugezogen hatte. «Es ist ein bisschen nervig, aber ich brauche Geduld, kann jetzt noch nicht auf 100 Prozent gehen», berichtete Musiala.

Bundestrainer Julian Nagelsmann, der Bayerns Offensiv-Ass fest für die Länderspiele Ende März in der Schweiz und gegen Ghana eingeplant hat, dürfte sich nicht nur über den weiteren Formanstieg des Edeltechnikers gefreut haben. Leon Goretzka schien die Interview-Botschaft des Bundestrainers, dass er auf eine wichtige WM-Rolle hoffen kann, zu beflügeln. 

Goretzka: «Motivation» statt «Freifahrtschein»

Die Worte von Nagelsmann seien für ihn vielmehr «eine Motivation» und kein «Freifahrtschein» für das Turnier im Sommer, sagte der 31-Jährige, der das Führungstor von Luis Díaz stark vorbereitete. Konrad Laimer und Nicolas Jackson erzielten die weiteren Münchner Tore beim nächsten klaren Sieg.

Angesichts von 92 Toren nach 25 Spieltagen reicht den Münchnern im Saison-Finale pro Partie im Schnitt ein Treffer, um einen uralten Bundesliga-Rekord einzustellen. In der Saison 1971/72 trafen die Bayern 101 Mal ins Schwarz. Über 50 Jahre danach soll die Bestmarke nach oben geschraubt werden.